Volle Auftragsbücher, magerer Gewinn – das geht auch anders

Handwerk aufgepasst: Voller Auftragsbücher, magerer Gewinn – das geht auch andersEs läuft gut in der Malerbranche. „Wir haben viel, viel Arbeit und wissen nicht wo uns der Kopf steht“, schallt es bundesweit aus Malerbetrieben. Verbraucher, die eine Renovierung planen, müssen sich derzeit auf lange Wartezeiten einstellen. 

Von vollen Auftragsbüchern träumt jeder Unternehmer. Sind sie Wirklichkeit, läuft der Betrieb augenscheinlich gut. Doch der Blick aufs Bankkonto lässt so manchen Chef erblassen: Hier herrscht  „gähnende Leere“. Was ist falsch gelaufen? 

Volle Auftragsbücher kein Synonym für Gewinn
Volle Auftragsbücher sind leider nicht gleichbedeutend mit Gewinn. Das wissen auch Malerunternehmer nur allzu gut. Wer Standardleistungen anbietet, kennt das Dilemma: Die Marktpreise sind kaputt. Wie soll bei derart niedrigen Margen noch Gewinn entstehen?

Erfolgsfaktor „Mitarbeiter“
In einem Malerbetrieb stellen Personalkosten den größten Kostenblock dar. Sie machen nahezu 60 Prozent der Gesamtkosten aus. Da die Arbeiten in der Regel jedoch nicht nach Mitarbeiterstunden abgerechnet werden, sondern die Abrechnung meist auf Stück- und Flächenbasis erfolgt, kommt es schnell zu Differenzen. Dies hat natürlich unmittelbare Auswirkungen auf den Baustellengewinn. Für Malerunternehmer, die mit ihrem Leistungsspektrum dem Preiskampf ausgesetzt sind, bedeutet das: Um trotz dürftiger Marktpreise einen Gewinn einfahren zu können, muss die Produktivität auf der Baustelle erhöht werden. Aber wie soll das funktionieren?

Produktivität entscheidet über Gewinn
Wer die Produktivität steigern will, muss dafür sorgen, dass in der gleichen Zeit mehr Leistung erbracht wird. Das heißt aber nicht, dass die Mitarbeiter derzeit alle faul auf der Baustelle herumhängen und man ihnen jetzt Beine machen müsste. Mitarbeiter geben auch derzeit auf der Baustelle ihr Bestes, allerdings fehlt es hier oft an der nötigen Organisation und Motivation. Ob eine Produktivitätssteigerung möglich ist oder nicht, ist daher vor allem eine Frage der Unternehmensführung. Hier ist der Chef gefragt.  

Was ist „Leistung“?
Unternehmer, die die Arbeitsleistung ihrer Mitarbeiter steigern wollen, müssen sich zunächst einmal fragen, was „Leistung“ überhaupt ist. Leistung ergibt sich immer aus dem Zusammenspiel von drei Dimensionen: 

  1. Leistungsbereitschaft. Das ist die Bereitschaft eines Menschen eine Leistung zu erbringen.
  2. Leistungsfähigkeit. Das ist die Fähigkeit eines Menschen, eine von ihm geforderte Leistung mit seinem Wissen und seinem Können auch tatsächlich erbringen zu können.
  3. Leistungsmöglichkeit.  Das ist die dem Mitarbeiter gegebene Möglichkeit, eingeräumte Freiräume nutzen und die Arbeit tatsächlich ausführen zu können. 

Leistungsfähigkeit und Leistungsmöglichkeit haben etwas mit der Frage zu tun „Wen setzen wir für welche Aufgaben ein?“. Hier geht es um eine möglichst optimale Arbeitsorganisation. Mitarbeiter müssen immer nach ihren Fähigkeiten eingesetzt werden. Verfügen die Mitarbeiter sodann noch über genügend Freiraum, sind Sie in der Lage, ihre Fähigkeiten voll auszuspielen (siehe Artikel: Nur wer seine Mitarbeiter gut kennt, kann erfolgreich sein

Bei der Leistungsbereitschaft hingegen geht es um die Frage „Warum macht einer etwas?“ Das ist die Frage nach der Motivation des einzelnen Mitarbeiters. Motivation spielt sich im Inneren des Menschen ab und führt dazu, dass der Mensch aus sich heraus etwas mit Lust und Leidenschaft unternimmt. Umfragen zeigen, dass dies bei Mitarbeitern keine Frage des Geldes, also des Lohns ist. Vor allem aus der Arbeit selbst holen sich Mitarbeiter ihre Motivation. Dies setzt natürlich voraus, dass die Arbeit Spaß macht und als befriedigend empfunden und ein Sinn darin gesehen wird.

Mit Arbeit motivieren
Um aus der Arbeit Motivation schöpfen zu können, sollten Mitarbeiter daher mit möglichst geschlossenen Arbeitsaufgaben betraut werden. So kann jeder sehen, was er geleistet hat und dem Chef fällt es leichter, die einzelne Arbeitsleistung zu beurteilen und ein Lob zu spendieren. Aus der Summe der Teilleistungen aller Mitarbeiter addiert sich letztendlich die perfekte Baustellenleistung und auf diese Gesamtleistung kommt es an. Ist dies den Mitarbeitern bewusst, achten sie darauf, dass auch ihre Kollegen eine gute Leistung abliefern und eine echte Teamarbeit stattfindet. So wird schnell das gewünschte Arbeitsergebnis erreicht.

Leistung messbar machen
Doch welche Arbeitsleistung hat welcher Mitarbeiter, in welcher Zeit zu liefern? Erst, wenn diese Frage geklärt ist, wird Leistung messbar. Hieran mangelt es oft in vielen Malerbetrieben. Den Mitarbeitern wird keine konkrete Leistung abgefordert. Der Chef lässt sie einfach arbeiten und verdeutlicht nicht seine Erwartungen. Mitarbeiter, die aber ohne Ziel, ohne Vorgaben arbeiten, werden nur in den seltensten Fällen den Erwartungen gerecht.  

Mitarbeiterführung heißt eben auch, Leistung einzufordern und zwar so detailliert und so konkret wie möglich. Der digitale Malerbetrieb ist hier klar im Vorteil. Mit einer digitalen Einsatzplanung lassen sich Mitarbeiter schnell ihren Fähigkeiten entsprechend auf die jeweilige Baustelle einplanen. Und anhand von Zeitvorgaben wissen die Mitarbeiter genau, was der Chef in welcher Zeit von ihnen erwartet. Werden die Arbeitszeiten von den Mitarbeitern auf der Baustelle ebenfalls digital erfasst, kann der Chef im Büro sogar in Echtzeit verfolgen, ob die Mitarbeiter noch im Plan liegen oder die Baustelle aus dem Ruder zu laufen droht und er korrigierend eingreifen muss. Das digitale Controllingsystem gibt Auskunft.

Bessere Technologie, bessere Organisation, höhere Motivation – das sind die Basiselemente zur Produktivitätssteigerung auf der Baustelle. So wird mit vollen Auftragsbüchern nicht nur Umsatz gemacht, sondern auch Gewinn erzielt. 

Lesen Sie auch:
Thomas Scheld im Interview: Wie Maler- und Stuckateurbetriebe von der Digitalisierung profitieren.