Vom Handwerker zum Unternehmer

Vom Handwerker zum Unternehmer

Jeder Handwerker, der sich beruflich selbständig macht, ist Unternehmer. Zum Unternehmer wird man nicht geboren. Unternehmersein ist vielmehr eine bewusste Entscheidung, die ein Mensch trifft. Sie kann im Rahmen einer Betriebsgründung, einer Betriebsübernahme oder eine Betriebsnachfolge fallen. Sie kann von langer Hand geplant sein oder je nach Umständen, gerade bei der ungeplanten Betriebsnachfolge, den Junior-Handwerker quasi „über Nacht“ treffen. Mit dem Gewerbeschein in der Tasche wird der Handwerker dann offiziell zum Unternehmer.

Rund 67 Prozent der Unternehmen mit bis zu 9 Beschäftigten wurden im Jahr 2017 in Deutschland als Einzelunternehmen geführt. Das bedeutet, dass gut Zweidrittel der kleinen Unternehmen inhabergeführt sind und der Betriebsinhaber als Einzelunternehmer mit seinem Privatvermögen für Betriebsschulden haftet. Dies zeigt recht deutlich, warum Unternehmersein nicht nur eine Formalie ist und warum Unternehmersein nicht mal irgendwie nebenbei erledigt werden kann. Unternehmersein ist eine echte Herausforderung für jeden Betriebsinhaber. „Unternehmer werden“ ist einfach, „Unternehmer sein“ schon wesentlich schwerer.

Der Handwerksunternehmer
Jeder Handwerksunternehmer hat eine Doppelrolle zu erfüllen. Zunächst einmal muss er ein qualifizierter Handwerker sein. Es versteht sich von selbst, dass er natürlich etwas von seinem Fach verstehen muss, wenn er den Betrieb erfolgreich führen will. Handwerksbetriebe, die unterdurchschnittliche Arbeitsergebnisse abliefern, werden auf Dauer nicht am Markt bestehen können. Daher ist es wichtig, dass der Handwerker als Betriebsinhaber über die fachlichen Kenntnisse verfügt und seinen Mitarbeitern fachlich auf die Finger schauen und Anweisungen erteilen kann. Sein Name steht für das  Arbeitsergebnis, das dem Kunden bei der Abnahme präsentiert wird.

Vom Hand- zum Kopfwerker
Die zweite Rolle, die der Handwerksunternehmer zu erfüllen hat, ist die des Unternehmers. Die Unternehmerrolle bereitet vielen Betriebsinhabern wesentlich mehr Probleme. Fast jeder Handwerksunternehmer hat seine berufliche Laufbahn mit einer klassischen Handwerkslehre begonnen. Der Berufswunsch Handwerker kommt dabei nicht von ungefähr. Fällt die Wahl auf einen Handwerksberuf ist dies in der Regel ein eindeutiges Statement gegen einen „Bürojob“. Die wenigsten Handwerker können sich vorstellen, Tag für Tag hinter einem Schreibtisch zu sitzen. Doch für einen Handwerksunternehmer ist dies Teil seiner Arbeit. Nur wer das akzeptiert und daran ebenfalls Spaß empfindet und die Kopfarbeit nicht als notwendiges Übel betrachtet, wird als Handwerksunternehmer erfolgreich sein.  

Unternehmerisches Denken
Keinem Menschen wird unternehmerisches Denken in die Wiege gelegt, wobei sich sogleich die Frage anschließt: Was ist überhaupt unter „unternehmerischem Denken“ zu verstehen? Einige Beispiele verdeutlichen dies anschaulich. Muss der Handwerksunternehmer Entscheidungen treffen, so hat er diese natürlich so zu treffen, dass sie im Interesse des Unternehmens liegen. Der Handwerker in ihm wird stets bestrebt sein, jeden Auftrag anzunehmen, um sein handwerkliches Können umzusetzen und vielleicht auch eine für ihn interessante Arbeit auszuführen. Der Unternehmer in ihm wird allerdings nicht jeden Auftrag um jeden Preis annehmen. Er kennt den preislichen Spielraum und weiß, wann er den Auftrag annehmen kann und wann nicht. Der Unternehmer entscheidet nicht aus dem Bauchgefühl heraus, sondern anhand von Fakten und Kennzahlen. Nur so kann er Schaden von dem Unternehmen abwenden. Ebenso verhält es sich, wenn der vermeintliche Gewinn nicht eingefahren wird. Der Handwerker konzentriert sich auf sein gelerntes Handwerk. Er arbeitet mehr und mehr. Doch durch dauerhafte Mehrarbeit wird sich an der Gewinnsituation nichts ändern. Er wird sich mehr und mehr verausgaben und das Unternehmen noch weiter in die Krise ziehen. Der Unternehmer schaut auf „Zahlen“. Er erkennt schnell, wo es hakt und wo Gewinn verspielt wird. Er hält zudem die Augen offen, kennt die Kunden und den Markt sowie aktuelle Trends. Auf Marktveränderungen wird er reagieren und den Betrieb zukunftsorientiert ausrichten. Das heißt auch manchmal, sich von althergebrachten Vorgehens- und Arbeitsweisen zu verabschieden. Diese wenigen Beispiele verdeutlichen, was unternehmerisches Denken heißt. Unternehmerisches Denken heißt betriebswirtschaftlich planen und handeln.

Hand in Hand
So wie der Handwerksunternehmer als Handwerker über qualifizierte, praktische Fachkompetenzen  verfügt, so muss er gleichzeitig als Unternehmer über qualifizierte, betriebswirtschaftliche Kenntnisse verfügen und diese anzuwenden wissen. Der Nur-Handwerker oder der Nur-Betriebswirt ist nicht ausreichend um als erfolgreicher Handwerksunternehmer zu bestehen. Erst das Ensemble aus beidem macht eine erfolgreiche Unternehmensführung im Handwerk aus. Der eine kann nicht ohne den anderen. Der Handwerker kann nicht ohne den Betriebswirt und umgekehrt. Inhaber von Handwerksbetrieben, die das verstanden haben und täglich in der Praxis umsetzen, werden als Handwerksunternehmer ihren Betrieb auf Dauer erfolgreich führen können.

 

Aktuelles EuGH-Urteil gibt die Richtung in der Zeiterfassung vor

Zeiterfassung im Malerbetrieb

Die Erfassung der geleisteten Arbeitsstunden gehört in Malerbetrieben zum Alltag. Da es sich bei Malerarbeiten um klassische Lohnarbeiten handelt, sind die Arbeitsstunden die Basis der monatlichen Lohnabrechnung. Daher haben Arbeitgeber und Mitarbeiter ein Interesse an der korrekten Erfassung. Es bestehen zudem aber auch gesetzliche Aufzeichnungspflichten zur Arbeitszeit. So will der Gesetzgeber sicherstellen, dass die Branchenmindestlöhne eingehalten werden. Nach dem Arbeitnehmerentsendegesetz (AEntG) sind Betriebe mit Mindestlohn-Tarifverträgen verpflichtet, einen speziellen Nachweis über die Arbeitszeit zu führen. Demnach sind Beginn, Pause und Ende der Arbeitszeit aufzuzeichnen. Lediglich die Anzahl der Arbeitsstunden zu notieren ist also keineswegs [Weiterlesen…]