Baustellen-Alarm: Fünf Schwachstellen, die den Baustellenerfolg gefährden

Baustellen-Alarm: Fünf Schwachstellen, die den Baustellenerfolg gefährden
Es kommt doch immer alles anders als man denkt. Diese alte Binsenweisheit enthält viel Wahres. So mancher Malerunternehmer kann davon ein Lied singen, wenn er an die eine oder andere Baustelle denkt. Da wird ein Angebotspreis mühevoll kalkuliert und ein schöner Gewinn eingepreist. Damit die Baustelle diesen Kalkulationsgewinn auch abwirft, darf nichts schief gehen. Doch das Leben ist voller Überraschungen und so ist es auch mit Baustellen. Mitarbeiter werden krank. Unvorhergesehene Arbeiten bringen den Zeitplan durcheinander. Material fehlt, wenn’s gebraucht wird. Geräte gehen verloren und sind unauffindbar. Mit solchen Problemstellungen, solchen Engpässen, müssen sich Maler- und Stuckateurbetriebe täglich auseinandersetzen.

Um diesen Engpässen erfolgreich zu begegnen, muss der Malerunternehmer vorausschauend handeln. Wer sich der Schwachstellen bei der Baustellenabwicklung bewusst ist, wird mit den erforderlichen Organisationsmaßnahmen Engpässe vermeiden können.

Mitarbeiter krank, lustlos oder unfähig
Jeder Mitarbeiter, der für eine Baustelle eingeplant ist, aber die erwartete Leistung nicht bringt, gefährdet den Baustellenerfolg. Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein. Da gibt es die lustlosen Mitarbeiter. Das sind jene Mitarbeiter, die zwar physisch anwesend sind, aber nicht bei der Sache. Von ihnen erledigte Arbeiten müssen oft von Kollegen nachgearbeitet werden. Sie bringen nicht annähernd die geforderte Leistung, aber nicht wegen Nichtkönnens, sondern wegen Nichtwollens. Schlimmstenfalls ziehen sie mit ihrer destruktiven Haltung eine ganze Kolonne leistungsmäßig nach unten.

Dann gibt es die Mitarbeiter, die auf der „falschen“ Baustelle sind und daher ihre Leistung nicht abrufen können. Abhängig von den auszuführenden Leistungen unterscheiden sich die fachlichen Anforderungen der einzelnen Baustelle zum Teil erheblich. So verlangt eine WDVS-Baustelle andere Fähigkeiten als eine Tapezierbaustelle. Und Arbeiten im hochwertigen Privatkundensegment haben andere Anforderungen als im Objektbereich. Die wenigsten Mitarbeiter sind „Alleskönner“. Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Diese zu kennen und die Mitarbeiter entsprechend einzuplanen, ist Aufgabe des Chefs.

Durch Erkrankungen entstandene Mitarbeiterengpässe können ebenfalls den Baustellenerfolg schnell gefährden. Denken wir nur an die vergangenen Wochen. Die Grippewelle hatte ganz Deutschland im Griff. Mitarbeiter meldeten sich im Stundentakt krank. Da geriet die eine oder andere laufende Baustelle schnell ins Wanken. Der Zeitplan wurde gehörig durcheinander gewirbelt. Ein Ersatz kann so schnell nicht gefunden werden. Zieht der Malerunternehmer einen Mitarbeiter von einer anderen Baustelle ab, fehlt dieser dort. Dies zeigt, der Chef muss seine Baustellen im Detail kennen, um zu wissen, wen er wo abziehen kann, um die Baustellen dennoch erfolgreich abwickeln zu können. Die Planung des Mitarbeitereinsatzes bedarf also eines guten und aktuellen Baustellenüberblicks.

Die Mitarbeiter sind der Fundus einer gut laufenden Baustelle. Die Einsatzplanung entscheidet in vielen Fällen darüber, ob der im Rahmen der Kalkulation und der Angebotsverhandlung vom Malerunternehmer beabsichtigten Gewinn am Ende auch eingefahren werden kann. Und ein aktueller Baustellenüberblick, der nicht nur über den Stand der Baustelle informiert, sondern auch über die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter Auskunft gibt, ist eine gute Planungsgrundlage.

Ungeplante Zusatzarbeiten
Nachdem die Tapete ab ist, werden große Risse in der Wand sichtbar. Zusatzarbeiten fallen an. Ungeplante Arbeiten, gleich welcher Art, bringen nicht nur den Zeitplan durcheinander. Sie verursachen vor allem Zusatzkosten, die abgerechnet werden müssen, damit der Gewinn nicht dahin schmilzt. Doch häufig werden genau solche Arbeiten in den Betrieben nicht abgerechnet. Die Abrechnung erfolgt nicht, weil der Chef keine Lust hat, sondern weil er oft von diesen Arbeiten gar nichts weiß. Das machen die Mitarbeiter mal eben so mit. Hier müssen die Mitarbeiter sensibilisiert und angehalten werden, bei Kenntnis sofort den Chef oder den zuständigen Vorarbeiter informieren, damit diese Zusatzarbeiten erfasst und abgerechnet werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass kein Geld verschenkt wird. Gleiches gilt auch für Sonderwünsche des Bauherrn. Wünscht er die Ausführung von Arbeiten, die nicht Auftragsumfang sind, muss ein Nachtrag geschrieben und die Zusatzwünsche natürlich abgerechnet werden. Nur so wird kein Verlust eingefahren, sondern ein Zusatzgeschäft generiert.

Fehlendes Material
Häufig wird erst auf der Baustelle oder während der Arbeitsausführung festgestellt, dass das benötigte Material fehlt. Doch wo kein Material ist, stockt die Arbeit, die Mitarbeiter drehen Däumchen und die Baustelle gerät in Schieflage. Dieses Worst-Case-Szenario ist vielen Malerbetrieben nicht unbekannt. Dann fährt ein Mitarbeiter schnell ins Lager, um das fehlende Material zu holen. Ist das Material nicht vorrätig, geht’s noch schnell zum Großhändler. Diese Fahrten verursachen unnötige Kosten. Kosten, die in der ursprünglichen Kalkulation der Baustelle nicht berücksichtigt sind und den Gewinn dahin schmelzen lassen. Damit dies nicht passiert, muss der Materialverbrauch bereits im Vorfeld bekannt sein. Nur so können am frühen Morgen die Baustellenfahrzeuge mit dem richtigen Material in der ausreichenden Menge bestückt werden. So fehlt nichts und unnötige Kosten werden vermieden.

Unkontrollierte Geräteausgabe
Viele Malerunternehmer kennen das Problem: Der Mitarbeiter steht in der Tür und sagt: „Chef, wir brauchen heute das Airlessgerät, aber im Lager steht keins mehr.“ Stimmt. Die beiden vorhandenen Airlessgeräte sind nicht im Lager verfügbar. Das eine wird auf einer anderen Baustelle benötigt. Das andere wird zwar auf einer weiteren Baustelle nicht mehr benötigt, wurde aber von den Mitarbeitern noch nicht eingelagert, sondern steht nutzlos auf der Baustelle herum. Fehlen die passenden Geräte auf der Baustelle hat dies schnell einen selbst verschuldeten Arbeitsstopp zur Folge. Damit dies nicht passiert, wird gerne improvisiert. Unnütze Fahrtkilometer werden zurückgelegt, um das Gerät herbeizuschaffen oder es wird sogar ein neues Gerät gekauft. Das alles muss nicht sein, sondern kostet den Betrieb nur eine Stange Geld. Mit einem betrieblichen Gerätemanagement entstehen solche Engpässe nicht. Die benötigten Geräte werden auf die entsprechenden Baustellen geplant. So ist klar, welches Gerät, wann und wo benötigt wird. Kommt es zu Änderungen im Bauablauf, kann reagiert und umgeplant werden, ohne dass es bei vielen parallel laufenden Baustellen zu Überschneidungen kommt.

Geräteverlust
Doch damit noch nicht genug. Ein betriebliches Gerätemanagement sorgt auch dafür, dass Geräte nicht einfach verloren gehen. Wie oft beklagen Betriebe verloren gegangene Leitern, Bohrmaschinen, Akkuschrauber etc. Werden sie benötigt, sind sie nicht mehr auffindbar und niemand kann sich mehr erinnern, wann und wo sie zuletzt benutzt wurden. Niemand fühlt sich für den Verlust verantwortlich. Mit dem betrieblichen Gerätemanagement ändert sich genau das. Denn im Büro ist sofort ersichtlich, auf welcher Baustelle sich das Gerät gerade befindet und welcher Mitarbeiter oder welche Kolonne es wann ausgeliehen hat. So wird Maschinen- und Geräteengpässen vorgebeugt.

Fazit
Entstehen auf der Baustelle Engpässe, gleich welcher Art, gefährdet dies unweigerlich den Baustellengewinn. Engpässe zu vermeiden und vorausschauend zu handeln, ist Aufgabe des Malerunternehmers. Die Digitalisierung ist für Handwerksbetriebe ein Meilenstein in der betriebswirtschaftlichen Unternehmensführung. Was früher aufwendig per Hand erledigt werden musste und jeder Menge Manpower bedurfte, über die der Betrieb oft gar nicht verfügte, erledigen heute intelligente Softwaresysteme. Für Kleinbetriebe bedeutet die Digitalisierung einen enormen Organisationsgewinn. So lassen sich mit wenigen Maßnahmen die geschilderten Problemstellungen in den Griff kriegen.

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