Schätze aus der Natur: Ein Blick in die „Farbeküche“ von Kremer Pigmente

Kremer Pigmente: Juniorchef David Kremer vor dem Mühlenrad

Kleine Fläschchen und Döschen fein säuberlich sortiert, mit buntem pudrigem Inhalt stehen ordentlich dargeboten und in Reih und Glied aufgereiht. Die bunte Vielfalt lässt staunen. Was hier präsentiert wird ist selten und wertvoll. Farbpigmente! Rund 1500 verschiedene Töne, gewonnen aus natürlichen Rohstoffen. Die Natur hat eben so einiges zu bieten. Oft ist sie die größte Inspiration für Kreativität und Kunst. Dass dem so ist, zeigt die Manufaktur Kremer Pigmente sehr eindrucksvoll. Stolz präsentiert Juniorchef David Kremer Lapis Lazuli, Krapplack, Zinnoberrot oder Purpur – seltene und vor allem sehr wertvolle Pigmente mit wundervoll klingenden Namen. Sie werden hier nicht nur verkauft, sondern auch hergestellt.

Natürliche Farben – tierisch abgefahren
Wie kommt eigentlich die wunderschöne Farbe in Purpur? So möchte man direkt laut fragen. Und erfährt das Geheimnis umgehend. Purpur, das wohl teuerste und wertvollste Pigment – gewonnen aus einer Schneckenart bzw. deren Drüsensekret. Für 1 Gramm werden 10 000 Schnecken benötigt. Das macht das feine Pulver fast zu Gold. 

Kremer Pigmente - Purpur, das wertvollste Pigment aus dem Sekret einer Schnecke gewonnen

Purpur, das wertvollste Pigment – dank der Purpurschnecke

Hier wird alles mit Bedacht, Sorgfalt und viel Herzblut hergestellt. Jede Farbe ist ein Unikat, vielleicht sieht sie beim nächsten Mal ein wenig anders aus. Nur eine Nuance, aber so ist das in der Natur eben. „Die Industrie hat sich längst von der klassischen Herstellung mit natürlich Farbpigmenten verabschiedet. Alte Rezepte und Herstellungsverfahren sind in Vergessenheit geraten“, erzählt David Kremer und fügt hinzu: „Synthetisch hergestellte Farben sind eben billiger und in großen Mengen auch noch erschwinglich.“ Kremer Pigmente hingegen lässt alte Traditionen wieder aufleben, zum Teil stammen die Rezepturen zur Herstellung der Pigmente noch aus dem Mittelalter. Heutzutage liegen Gold, Silber, Neontöne und Glitzer im Trend.

Kremer Pigmente: Juniorchef David Kremer

Juniorchef David Kremer vor einer Lieferung oxidierter Steine

Herstellung in eigener Mühle
Smalte – damit fing vor über 40 Jahren alles an. Ein befreundeter englischer Restaurator und Freund des Firmengründers und Chemikers Dr. Georg Kremer ist auf der Suche nach „Smalte“. Der intensive Blauton aus kobalthaltigem Glas ist Anfang der 1970er Jahre allerdings nirgendwo erhältlich. Kremer stellt Nachforschungen an, recherchiert und stellt das Pigment, welches schon im alten Ägypten bekannt war, schließlich in seinem Labor selbst zusammen. Die Grundlage für die Kremer Pigmente GmbH ist geboren. Anschließend kauft Georg Kremer eine alte Mühle in Aichstetten und funktioniert sie zur Farbmühle um.

Georg Kremer - Firmengründer und Seniorchef

Dr. Georg Kremer – Firmengründer und Seniorchef

Vom Rohstoff zum Produkt
Bei Kremer ist Handarbeit angesagt. In der Mühle, die mit eigens hergestelltem Strom betrieben wird, entstehen aus natürlich vorkommenden Rohstoffen wie Erden, Mineralien oder Pflanzen unterschiedliche Pigmente. Mal werden sie fein oder grob gemahlen, in der Farbküche gekocht, gesiebt oder anderweitig weiterverarbeitet bis eben das fertige Pigment entsteht. Aber auch „Experimente“ mit Naturprodukten wie Felsstücken, Knochen oder Wurzeln und Obstkernen führen immer wieder zu neuen Farbtönen. Gebrauchsfertige Farben werden ebenfalls angeboten. Wer jedoch selbst aus dem Pigment die Farbe erstellen möchte, bekommt Binde-, Mal- und Klebemittel samt Malzubehör wie Pinsel an die Hand.

Kremer Pigmente

Pigmente soweit das Auge reicht – Farbtöne in verschiedenen Nuancen

Handwerk und Kunst
Die Kunden sind unterschiedlichste Leute. Restauratoren, Künstler, Hobbymaler, Handwerker, Malermeister – sie alle nutzen die Pigmente von Kremer. Auch das Distributorennetzwerk floriert und beliefert Kunden nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Praktische Einblicke in ihre Welt geben Kremers gerne. In Workshops und Kursen lernen Interessierte die Pigmente zu verarbeiten und erhalten praktisches Wissen im eignen Atelier zu unterschiedlichsten Themengebieten. Seminare zu Öl-, Aquarell- oder Acrylfarben werden in kleinen Gruppen angeboten.

Nah am Kunden und Verarbeiter sein – das wird hier gelebt. Auf Anfrage werden sogar individuelle Farben für Kunden hergestellt. Egal ob es sich dabei um fertige Ölfarben aus Lein- oder Walnussöl handelt oder anderes. In der Manufaktur werden seltene, historische Pigmente in kleineren Chargen gefertigt.

Kremer Senior sieht das Unternehmen als klassischen Materiallieferanten und vertritt die Einstellung: „Es ist nicht wichtig, ob aus unseren Pigmenten später Kunstwerke entstehen, sondern das jeder den Farbton erhält, den er für sein Anliegen benötigt.“

Ein Blick hinter die Kulissen:

Wer sich für Farbpigmente interessiert, wird an der Website und dem Online-Shop von Kremer Pigmente seine Freude haben.


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