Keine Angst vor Entscheidungen: Gute Entscheidungen treffen, Entscheidungsfallen vermeiden!

Thomas Scheld, Geschäftsführender Gesellschafter der C.A.T.S.-Soft GmbH

Thomas Scheld, Geschäftsführender Gesellschafter der C.A.T.S.-Soft GmbH

Als Unternehmer haben Sie täglich Entscheidungen zu treffen. Oft werden aus Angst, falsche Entscheidungen zu treffen, wichtige Entscheidungen auf die sprichwörtlich „lange Bank“ geschoben. Haben Sie sich auch schon einmal vor einer solchen Entscheidung gedrückt? Dann haben Sie sicher festgestellt, dass sich die wenigsten Probleme von alleine lösen. Abwarten ist daher in den meisten Fällen nicht zielführend, sondern kontraproduktiv. Stehen Entscheidungen an, müssen sie getroffen werden, egal ob einem das gefällt oder nicht. Wer die Mechanismen der Entscheidungsfindung kennt, kann mit seinen Entscheidungen besser leben.

 Warum wir uns mit Entscheidungen so schwer tun
„Wenn ich das vorher gewusst hätte“, haben Sie das auch schon Mal gedacht? Ja, wenn Sie vorher gewusst hätten, wie sich die Dinge entwickeln, dann hätten Sie eine ganz andere Entscheidung getroffen. Dann wären Sie anders an die Sache heran gegangen. Und dann hätten Sie die Sache bestimmt zu Ihren Gunsten beeinflussen können. Hätten Sie es doch nur vorher gewusst! Diesen Gedanken hat wohl jeder Mensch irgendwann einmal in seinem Leben. Und dahinter steckt immer der gleiche Zusammenhang: Eine Entscheidung wurde getroffen. Die Dinge haben sich entwickelt. Neue Fakten sind hinzugetreten. Und die Entwicklung hat sich in eine Richtung bewegt, die man nicht haben wollte.

Ob richtig oder falsch zeigt sich erst später
Der Volksmund sagt: „Hinterher ist man immer schlauer“. In der Rückschau sind alle Fakten bekannt. Da kennt man nicht nur die Parameter, die zu einer Entscheidung geführt haben, da kennt man auch die Fakten, die nach der Entscheidung eingetreten sind und die das Ergebnis dann letztlich in die nicht gewünschte Richtung bewegten. Hinterher weiß man, was wie gelaufen ist und was man hätte anders machen müssen, damit man das gewünschte Ziel erreicht hätte. Vorher waren diese Fakten nicht bekannt. Daraus folgt, dass es keine per se richtigen Entscheidungen geben kann. Eine Entscheidung ist immer nur solange richtig, wie sich die Fakten, auf deren Grundlage sie getroffen wurde, nicht ändern. Ändern sich die Entscheidungsparameter oder treten neue Fakten hinzu, so kann die richtige Entscheidung ganz schnell falsch werden. Aber das weiß man dann erst in der Rückschau.

Gute Entscheidungen kann jeder treffen
Deshalb macht es keinen Sinn sich mit den vermeintlich falschen Entscheidungen zu beschäftigen. Wer sich hinterher seine falsche Entscheidung vorwirft, der grämt sich. Und wer sich grämt, der lähmt sich. Der ist mehr mit der Vergangenheit beschäftigt als in der Gegenwart zu sein. Und der vergibt sich selbst die Chance im Heute und Jetzt gute Entscheidungen für die Zukunft zu treffen. Haben Sie es gemerkt? Es geht um „gute Entscheidungen“ und nicht um „richtige Entscheidungen“. Gute Entscheidungen sind dadurch gekennzeichnet, dass alle vermeintlich wichtigen Parameter berücksichtigt werden. Wer eine gute Entscheidung trifft, der ist von dieser Entscheidung überzeugt. Der kann damit leben. Und der kann später sagen: „Zu diesem Zeitpunkt und mit dem Wissen, das ich hatte, habe ich das richtig entschieden.“ Ob die Entscheidung dann richtig oder falsch war, das wird die Zukunft zeigen. Aber damit wird der Entscheider leben können.

Fakten sammeln und bewerten
Für das mit einer Entscheidung leben können, kommt es also darauf an, dass bei der Entscheidungsfindung die richtigen Parameter berücksichtigt wurden. Hier liegt das Geheimnis der Zufriedenheit. Wer sich bei einer Entscheidung die Zeit nimmt und zunächst die Fakten zusammenträgt und erst dann aus voller Überzeugung seine Wahl trifft, der kann besser damit leben. Dabei ist wichtig, dass der Entscheider die Fakten selbst bewertet. Wer sich bereits bei der Bewertung der Fakten auf andere verlässt, erlebt oft eine böse Überraschung. Denken Sie beispielsweise an die vielen Menschen, die während der Finanzkrise mit Zertifikaten Geld verloren haben. Die Fakten waren vorher eindeutig: Ein Zertifikat ist das Versprechen eines Emittenten auf die Zahlung eines Gegenwerts. Geht der Emittent in die Pleite, kann er den Gegenwert nicht mehr zahlen. Wer also ein Zertifikat kauft, der muss mit dem Ausfallrisiko leben. Genau für dieses Risiko gibt es die höhere Rendite im Vergleich zum Sparbuch. Alles klar! Warum haben dann so viele Menschen trotzdem in Zertifikate investiert und dabei ihr Geld verloren. Richtig, weil diese Menschen das Faktum „Ausfallrisiko“ nicht selbst bewertet haben, sondern sich hinsichtlich der Bewertung auf ihren Anlageberater verließen. Eine gute Entscheidung kann aber niemals aufgrund bereits bewerteter Fakten getroffen werden. Über den Verlust und die schlechte Entscheidung darf man sich sehr wohl ärgern.

Fernentscheidung möglichst vermeiden
Das führt uns zu einer Situation, die in vielen Malerbetrieben an der Tagesordnung ist. Ein Mitarbeiter ruft den Chef an, weil es auf einer Baustelle ein Problem gibt. Und nun soll der Chef entscheiden, wie es weiter gehen soll. „Chef wir haben hier ein Problem mit dem Untergrund, der hat Risse“, sagt der Mitarbeiter und fragt dann weiter: „Sollen wir armieren oder hält die Tapete das.“ Wie wollen Sie als Chef so etwas entscheiden? Die Antwort ist klar: Am besten gar nicht. Denn wie auch immer Sie bei dieser Faktenlage entscheiden, Sie haben eine schlechte Entscheidung getroffen. Wer entscheiden will der braucht Fakten. Und diese Fakten müssen neutral ermittelt werden. Der Mitarbeiter in unserem Beispiel sammelt die Fakten aus seinem Blickwinkel. Der trifft schon eine Bewertung, bevor er überhaupt mit dem Chef spricht. Der stellt nur die Auswahl „Armieren“ oder „Tapezieren“. Für eine Entscheidung müssen Sie mehr wissen. Entweder Sie fahren also zur Baustelle und sehen sich das Problem vor Ort an, oder Sie sorgen aus der Ferne dafür, dass Sie die notwendigen Informationen bekommen. Ein Checkliste, die dem Mitarbeiter bestimmte Prüfschritte vorgibt und einige Bilder, könnten Sie das Problem aus der Ferne beurteilen lassen. Dann können Sie auch eine gute Entscheidung treffen. Eine Entscheidung mit der Sie später leben können, auch wenn sie falsch sein sollte.

Zeitdruck birgt Gefahren
Aber manchmal muss es schnell gehen. Da bleibt keine Zeit, die Fakten zu ermitteln und zu bewerten. Da muss eine Entscheidung sofort getroffen werden. Da bestehen Druck und Hektik. Genau jetzt wird es gefährlich. Der amerikanische Psychologe Keith Payne hat in mehreren Untersuchungen nachgewiesen, dass Menschen unter Zeitdruck sich ähnlich wie hochgradig erregte Menschen verhalten. Sie verlassen sich nicht mehr auf das, was sie mit eigenen Augen sehen, sondern lassen sich in ihren Entscheidungen von Stereotypen und Vorurteilen leiten. Das passiert auch Menschen, die sich ohne Druck nicht davon beeinflussen lassen oder diese sogar ablehnen. Druck verkürzt den Entscheidungsweg. Druck löst Automatismen aus. Und plötzlich zählen die Fakten nichts mehr. Da ist dann eine schlechte Entscheidung vorprogrammiert. Eine Entscheidung, mit der man eher schlecht leben kann, wenn es denn eine falsche Entscheidung war. Deshalb nehmen Sie den Druck aus der Situation heraus. Es gibt fast nichts, das sofort entschieden werden muss. Für die Bewertung der Fakten ist immer Zeit.

Denkfallen erkennen
Und auch hierbei ist eine gewisse Wachsamkeit angesagt. Denn auch der Bewertungsprozess an sich birgt Gefahren. Uns Menschen ist von der Natur eine Art Urinstinkt mitgegeben worden. Dieser Wahrnehmungsprozess ist viele Millionen Jahre alt. Die Intuition war ein Schutzmechanismus, quasi eine Art „Überlebensgarantie“. Eine neue Situation musste sehr schnell als vorteilhaft oder bedrohlich eingeschätzt werden. Weil denken Zeit kostet, läuft dieser Prozess unbewusst ab. Das haben wir mit in die moderne Welt genommen. Unsere neuronalen Netzwerke filtern die Situation, treffen eine Einschätzung und melden diese als Gefühl zurück. Wir spüren das sogenannte „Bauchgefühl“ als Wohlbefinden oder Unbehagen. Das leitet uns durch den Entscheidungsprozess. Wenn wir es uns nicht bewusst machen, dann werden wir uns unbewusst von antrainierten Verhaltensweisen oder Vorurteilen leiten lassen. Dann ist die Entscheidung in einer Situation schon gefallen, bevor wir die Fakten kennen und vor allem bewertet haben. Wenn wir uns dessen allerdings bewusst sind, dann kann das Bauchgefühl uns helfen, eine faktisch getroffene Entscheidung zu untermauern. Deshalb: „Entscheiden Sie gut!“

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