
Die europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) wurde im Mai 2016 beschlossen. Zehn Jahre später ist der Datenschutz in deutschen Unternehmen fest verankert. Gleichzeitig wächst jedoch die Kritik an Aufwand, Komplexität und fehlender Rechtssicherheit. Das zeigt eine aktuelle Langzeitstudie des Digitalverbands Bitkom.
Während Anfang 2018 lediglich sieben Prozent der Unternehmen die Vorgaben der DS-GVO vollständig oder größtenteils umgesetzt hatten, lag dieser Anteil 2024 bereits bei 71 Prozent. Damit hat sich der Datenschutz als fester Bestandteil betrieblicher Abläufe etabliert.
Die Kehrseite: Immer mehr Unternehmen empfinden die Vorgaben als Belastung. Sagte 2016 noch ein Viertel der Betriebe, die DS-GVO mache Geschäftsprozesse komplizierter, waren es 2025 bereits 81 Prozent. 84 Prozent berichten, dass ihr Aufwand für Datenschutz seit Einführung der Verordnung gestiegen ist. Fast alle Unternehmen (97 Prozent) bewerten den Datenschutzaufwand inzwischen als hoch, 44 Prozent sogar als sehr hoch.
Auch die Kritik an der deutschen Auslegung der Regeln nimmt zu. Während 2020 noch 40 Prozent der Unternehmen meinten, Deutschland übertreibe es mit dem Datenschutz, sind es 2025 bereits 72 Prozent.
Besonders deutlich zeigen sich die Spannungen beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Zwar sehen 59 Prozent der Unternehmen den europäischen Datenschutz grundsätzlich als Wettbewerbsvorteil. In der praktischen Anwendung überwiegen jedoch die Hürden. 69 Prozent sagen, Datenschutzvorgaben erschwerten das Training von KI-Modellen mit ausreichend Daten. 63 Prozent befürchten, dass Unternehmen mit KI-Entwicklung deshalb Europa verlassen.
Auch beim Aufbau von Datenpools, die für viele KI- und Analyseanwendungen notwendig sind, sehen Unternehmen erhebliche Probleme: 59 Prozent berichten, entsprechende Vorhaben seien an Datenschutzvorgaben gescheitert oder gar nicht erst gestartet worden.
Datenschutz sei keine lästige Pflicht, er bleibe eine zentrale Säule der digitalen Welt, stellt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst mit Blick auf die Ergebnisse des Studienberichts fest. Zugleich fordert er eine stärkere Ausrichtung der Datenschutzregeln auf tatsächliche Risiken mit Blick auf die KI-Entwicklung in Europa. Hierzu sagt er: „Die Realität ist: KI wird wegen unserer Datenschutzpraxis nicht in Europa entwickelt, die Modelle werden aber trotzdem hier eingesetzt. Für den Schutz der Daten europäischer Bürgerinnen und Bürger ist damit nichts gewonnen, für den Wirtschaftsstandort Europa aber viel verloren. Wir brauchen eine Reform, die den Datenschutz dort stark macht, wo echte Risiken für Menschen entstehen, und Unternehmen dort entlastet, wo formale Pflichten keinen zusätzlichen Schutz bringen. Das heißt konkret: konsequente Risikoorientierung der DS-GVO und ein einheitliches Verständnis, dass Training und Betrieb von KI-Systemen auch in Europa möglich sein müssen.“
Für Handwerksbetriebe zeigt die Entwicklung vor allem eines: Datenschutz gehört heute zum betrieblichen Alltag. Die Herausforderung besteht darin, Datenschutzanforderungen und digitale Innovationen praxistauglich miteinander zu verbinden.
Quelle: Bitkom
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