Wenn der Chef alles selbst macht! Loslassen kann man lernen.

Maler-Handwerk: Chefzentriert arbeiten statt delegieren„Alles muss man selber machen!“ Diesen Satz hören viele Mitarbeiter täglich aufs Neue von ihrem Chef. Kaum gesagt, macht sich der Chef auch schon mit der Putzkelle in der Hand an der Küchenwand zu schaffen. Im Wiederholmodus kann diese Aussage für Mitarbeiter frustrierend wirken. Mit der Zeit werden sie abstumpfen und ihre Arbeit völlig unmotiviert erledigen. Da die Mitarbeiter zudem auf weitere Chef-Tiraden und Vorhaltungen keine Lust haben, werden sie sich hüten, irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Wegen jeder Kleinigkeit wird also beim Chef nachgefragt. Die Folge ist klar: Die Mitarbeiter stellen das Denken ein. Keiner denkt mehr mit, alle fragen lieber den Chef. Und beim Chef klingelt permanent das Mobiltelefon.

Hausgemachter Zeitmangel
Damit aber nicht genug. Derselbe Chef klagt gleichzeitig lautstark über Stress, der ihm bald keine Zeit mehr zum Atmen lasse. Armer Chef. Dauernd unterwegs im Dienste seiner Mitarbeiter. Dabei sollte es genau anders herum sein. Doch dafür muss der Chef die richtigen Weichen stellen. Chefs, die delegieren können, haben mehr Zeit für die wichtigen Dinge ihres Chef-Lebens und zufriedene und motivierte Mitarbeiter obendrein.

Delegieren statt Selbermachen
Doch was heißt eigentlich „delegieren“? Delegieren stammt von dem lateinischen Begriff „delegare“ und bedeutet „hinschicken, anvertrauen, übertragen“. Wer als Chef eine Aufgabe delegiert, überträgt diese Aufgabe an seinen Mitarbeiter. Das heißt konkret: Der Mitarbeiter hat diese Aufgabe zu erledigen und nicht mehr der Chef! Das gilt im Büro wie auf der Baustelle.

Vertrauen schenken
Loslassen können – das fällt vielen Chefs sehr, sehr schwer. Dabei ist es ganz einfach. Das Zauberwort heißt „Vertrauen“. Der Chef muss vertrauen können. Wem es an Vertrauen zu seinen Mitarbeitern oder vielleicht auch nur zu einzelnen Mitarbeitern fehlt, sollte sich fragen, warum er sich für diese Mitarbeiter entschieden hat. In den meisten Maler- und Stuckateurbetrieben trifft der Betriebsinhaber, also der Chef selbst, die Personalentscheidungen. Warum hat er diese Mitarbeiter eingestellt? Dafür gab es sicherlich gute Gründe. Man darf davon ausgehen, dass ihn zumindest die fachlichen Qualifikationen der Mitarbeiter überzeugt haben. Konnten die Mitarbeiter vielleicht bislang ihre PS nicht auf die Straße bringen, da der Chef ständig dazwischen funkt, sich einmischt und Arbeiten selbst erledigt? Mitarbeiter können nicht zeigen, was sie drauf haben, wenn ihnen die richtige Führung fehlt.

Klare Zielvorgaben
Wer richtig führen will, muss klare Zielvorgaben machen. So muss der Mitarbeiter genau wissen, was von ihm an Arbeitsleistung erwartet wird, wie das Arbeitsergebnis auszusehen hat. Nur dann kann er erfolgreich arbeiten. Ein häufiger Chef-Fehler sind vage und schwammige Vorgaben, mit denen der Mitarbeiter aber nichts anfangen kann. Stimmt dann das Ergebnis nicht, dann fällt schnell der eingangs erwähnte Satz und der Chef macht es selbst. Das macht auch den Mitarbeitern keinen Spaß. Er hört lieber ein Lob für eine tolle Arbeitsleistung. Damit er diese erreichen kann muss der Chef aber die Rahmenbedingungen schaffen. Denn nur wer ein konkretes Ziel vor Augen hat, der kann es auch erreichen. Das motiviert und steigert die Mitarbeiterleistung.

Kontrollieren und konstruktiv kritisieren
Der Chef hat natürlich das Ergebnis zu kontrollieren. Denn alles, was delegiert wird, muss auch kontrolliert werden. Wurde die Zielvorgabe erreicht? Falls sie nicht erreicht wurde und der Chef nicht zufrieden ist, helfen Aussagen wie „Wie das wieder aussieht. Du lernst es nie“, weder dem Betrieb noch dem Mitarbeiter weiter. Kritisieren will gelernt sein. Pauschalkritik und Nörgeln führen nicht zu dem gewünschten Ergebnis. Denn Ziel einer jeden Kritik muss doch sein, dass der Mitarbeiter versteht und lernt, was er in Zukunft wie besser machen muss. Ist also an der Arbeit oder dem Verhalten des Mitarbeiters etwas auszusetzen, dann muss der Chef sachlich und detailliert Kritik üben. So wird der Mitarbeiter verstehen, was er falsch gemacht hat und wird es in Zukunft besser machen können. Und hat der Mitarbeiter eine gute Arbeit gemacht, dann sollte auch nicht an Lob und Anerkennung gespart werden. Das stärkt das Selbstvertrauen des Mitarbeiters und gibt ihm Sicherheit. Er wird auch in Zukunft Bestleistungen zeigen.