Ständiges Handyklingen nervt: Wie Chefs den Baustellenanrufen entkommen

Ständiges Handyklingen nervt: Wie Chefs den Baustellenanrufen entkommen

Das Handy klingelt permanent und in den ungünstigsten Momenten? Ständig ist ein Mitarbeiter dran und erwartet Entscheidungen eine Baustelle betreffend? Und das obwohl diese im Vorfeld perfekt geplant und abgestimmt wurde? Kein Einzelfall. Die perfekteste Planung und Organisation schützt nicht davor, dass Mitarbeiter mal nicht weiter wissen. Und so passiert es, dass das Chefhandy unaufhörlich klingelt. Das kann schnell nerven und den Unternehmer vor allem von seinen eigenen wichtigen Aufgaben abhalten. Denn wer sich permanent nur um andere kümmert, schafft oft die eigenen Arbeiten nicht oder nur unzulänglich. 

Selbstvertrauen und Selbstorganisation
Oft ist das Problem hausgemacht. Mitarbeiter trauen sich selbst nichts zu, weil sie gelernt haben, lieber den Chef zu fragen, anstatt selbst nachzudenken. Das ist für den Mitarbeiter angenehm, denn wenn er nichts entscheidet, macht er auch keine Fehler und muss keine Verantwortung übernehmen. Er macht es sich bequem. Dieses chefzentrierte Arbeiten kann der Chef selbst ändern. Mitarbeiter benötigen Selbstvertrauen. Ihnen darf bewusst gemacht werden, dass ihr Know-How auf der Baustelle wichtig und gefragt ist und dass sie sich selbst etwas zutrauen dürfen. Unternehmer müssen natürlich dafür sorgen, dass fachliche Kompetenzen vorhanden sind und bei Bedarf auch abgerufen werden können.

Teams bilden, die passen
In den meisten Baustellenteams herrscht ein unterschiedliches Leistungsniveau – und das ist auch völlig in Ordnung so. Manche Mitarbeiter sind länger dabei, erfahrener als Andere und in bestimmten Bereichen besser oder vielleicht auch anders qualifiziert. Wer seine Teams so zusammenstellt, dass schwächere Kollegen von Erfahreneren unterstützt werden können, macht alles richtig. Weiß ein Mitarbeiter mal nicht weiter, kann er immer noch seinen Kollegen fragen, bevor er beim Chef aufschlägt. Sich untereinander helfen und füreinander da zu sein, gemeinsam den Erfolg zu erreichen – das ist es, was ein gutes Team ausmacht.

Es gibt Malerbetriebe, in denen Mitarbeiter immer erst ihre Kollegen um Rat fragen, bevor sie den Chef anrufen. Diese Unternehmer haben es geschafft, ihren Mitarbeitern zu vermitteln, dass es darauf ankommt im Team als eine Einheit zu funktionieren. Deshalb dürfen „schwächere Kollegen“ keine falsche Scheu haben, zuzugeben, dass sie etwas nicht wissen oder überfordert sind, wohingegen „stärkere Kollegen“ nicht zu arrogant oder überheblich auftreten dürfen und ihr Wissen gerne weitergeben sollten.

Keine Hierarchien
Teams funktionieren besonders gut, wenn keine starken Hierarchien innerhalb der Gruppe zu verzeichnen sind. Keiner spielt sich in der Gruppe als Wortführer oder „Chef“ auf, der anderen sagt, was zu tun und zu lassen ist. Das gilt auch für eingesetzte Vorarbeiter oder Baustellenleiter. Sicherlich sind sie dafür ausgewählt, die Baustelle zu leiten und zu führen. Damit gemeint ist jedoch, dass sie den Kollegen mit Rat und Tat zur Seite stehen und dafür sorgen, dass das Team als Ganzes eine erfolgreiche Baustelle zum Abschluss bringen kann. Und nicht, dass einer auf besserwisserische Art Anweisungen erteilt oder den „Big Boss“ raushängen lässt. Wissen muss geteilt werden. Keiner der Beteiligten darf sich zu schade sein, sein Wissen dem anderen weiter zu geben. Was zählt ist allein das Teamergebnis.  

Betriebsklima entscheidet
Besonders in einem Arbeitsumfeld, in dem ein freundliches Miteinander täglich gelebt wird und die Basis stimmt, können sich Mitarbeiter gut entfalten. Einfach schon allein deshalb, weil sie gerne zur Arbeit gehen und Spaß am Job haben. Oft sorgt ein gutes Betriebsklima sogar dafür, dass Kollegen auch außerhalb der Arbeit Dinge miteinander unternehmen und freundschaftliche Bande pflegen. Gemeinsame Aktivitäten können hier besonders förderlich sein ein Team noch enger „zusammen schweißen“. Diese können auch durchaus vom Chef forciert bzw. angestoßen werden. Es können die unterschiedlichsten Dinge sein. Wer seine Mitarbeiter fragt und mit ihnen kommuniziert, weiß mehr.

Mit offener Kommunikation helfen
Wer offen ausspricht, welche Erwartungen er an sein Team stellt, hat die besten Karten. Möchte der Unternehmer also nur in absoluten Ausnahmefällen angerufen werden, um aus der Ferne eine Entscheidung zu treffen, die eine Situation auf der Baustelle betrifft – sollte er das genauso vermitteln.  Aber auch gezielt die Frage stellen, warum der Mitarbeiter, der vor Ort weilt, diese nicht treffen kann. Erwartungen müssen offen kommuniziert werden. Mitarbeiter dürfen dazu angehalten werden, immer erst den Kollegen zu fragen, falls man selbst nicht weiter weiß und versuchen im Team eine Lösung zu finden. Mitarbeiter müssen lernen, selbst zu denken, um Lösungen zu finden.

Sicherlich kann das nicht von heute auf morgen geschehen. Es ist vielmehr ein Prozess. Der kann aber nur funktionieren, wenn man als Chef konsequent Leistung einfordert. Eins ist klar: Voraussetzung hierfür ist, dass Mitarbeiter ihren Job fachlich beherrschen. Fachliche Schwächen zu erkennen und dem Mitarbeiter Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen zukommen zu lassen, ist Aufgabe des Chefs. Auf die richtige Führung kommt es an.