Eine Innovation, die Leben schützt: Die keimabtötende Tapete

Marburger Tapetenfabrik entwickelte keimabtötende Tapete Nosokomiale Infektionen, umgangssprachlich besser bekannt als Krankenhausinfektionen, sind ein großes Problem in deutschen Kliniken. Hierbei handelt es sich um Infektionen, die sich Patienten während einer stationären oder ambulanten medizinischen Behandlung zuziehen. In Deutschland kommt es jährlich zu geschätzten 400.000 bis 600.000 solcher Klinikinfektionen und etwa 10.000 bis 15.000 Todesfällen dadurch. Die Zahlen beruhen laut Robert-Koch-Institut auf einer im Jahr 2008 veröffentlichten Hochrechnung des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für Surveillance von nosokomialen Infektionen. Die meisten Klinikinfektionen werden durch Viren und Bakterien hervorgerufen. Besonders gefährlich ist eine Infektion, die auf multiresistente Keime wie MRSA zurückgeht, da diese gegen Antibiotika resistent sind und daher besonders gefährlich sind und im schlimmsten Fall zum Tod führen können.

Während das tägliche Wischen der Fußböden in Kliniken fester Bestandteil des Hygieneplans ist, wurde den Wandbelägen bis dato wenig bis keine Beachtung geschenkt. Dabei befinden sich dort nachweislich ebenfalls Keime, die unbeabsichtigt durch Körperkontakt weiterverbreitet werden. In diesem Zusammenhang gleicht es einer kleinen Sensation, was der Marburger Tapetenfabrik mit ihrer neuesten, technischen Innovation gelungen ist: Eine Tapete, die Keime nachweislich reduziert. keimEX® heißt der keimabtötende Wandbelag aus dem mittelhessischen Kirchhain, der von der Marburger Tapetenfabrik entwickelt und von der keimEX GmbH, einem Tochterunternehmen, hergestellt und vertrieben wird. In einer klinischen Studie konnte durch den Einsatz von keimEX in einem Patientenzimmer eine lokale Keimreduktion um 64 Prozent nachgewiesen werden. 

Malerblog.net sprach mit dem geschäftsführenden Gesellschafter der Marburger Tapetenfabrik, Ullrich Eitel, über seine neu entwickelte Hygienetapete, der sich sicherlich bald in Kliniken, Pflegeheimen und Arztpraxen wiederfinden dürfte.

Ullrich Eitel

Geschäftsführer Ullrich Eitel, Foto: Marburger Tapetenfabrik

Herr Eitel, wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Tapete zu entwickeln, die multiresistente Keime abtötet?
Die Keimreduzierung beschäftigt mich schon seit Jahren, da ich im Bekanntenkreis einen Fall einer Krankenhausinfektion hatte. Ich denke, wenn man die jährlichen Zahlen der nosokomialen Infektionen sieht, ist es zwingend notwendig, hier auf allen Ebenen entgegenzuwirken.

Welche Eigenschaften hat die Tapete genau?
Aufgrund ihrer speziellen Beschichtung zerstört die Tapete sämtliche bekannten multiresistenten Keime, die sogenannten Krankenhauskeime. Sie reduziert somit drastisch bereits bestehende Keimpopulationen, schützt die Wandbereiche gleichmäßig und flächendeckend vor einer Neukontamination und verhindert die weitere Keimausbreitung an den Wänden. Gutachten namhafter Institute und Hygieneexperten bestätigen dies.

Daneben ist die Tapete restlos abziehbar, ist hochwaschbeständig, stoßfest (DIN EN 259), hat eine ausgesprochen gute Lichtbeständigkeit, ist atmungsaktiv (DIN EN 53122) und erfüllt die CE-Brandklasse Cs1d0. Auf Wunsch kann die Tapete zusätzlich noch mit allen im Gesundheitswesen eingesetzten Desinfektionsmitteln behandelt werden. Dies führt nicht zu einer Reduzierung der bestehenden Schutzfunktion. Mit der gewählten Rollenbreite von 0,92 m reduziert man deutlich die Anzahl der Stöße und Nahtstellen an einer Wandfläche.

Da die Atmosphäre eines Raumes in erster Linie durch die Wandgestaltung geprägt wird, ist „keimEX“ im Standard in derzeit 17 ruhigen und harmonischen Farbtönen verfügbar.

Aus was besteht keimEX und mit was ist die Tapete beschichtet?
„keimEX“ besteht aus einem Vlies als Trägermaterial und einer farbigen Polymerbeschichtung und einer antimikrobiellen Beschichtung auf Basis von Silberionen.

Gibt es eine Besonderheit in der Herstellung?
Die Besonderheit ist der Imprägnierungsprozess, bei dem die schützende Beschichtung aufgebracht wird.

Für wen ist keimEX geeignet?
„keimEX“ ist eigentlich  für jedermann interessant und geeignet. Für gesunde Menschen zur Vorbeugung und für den kranken Menschen und Allergiker als Schutz. Daher sind vielfältige Einsatzmöglichkeiten denkbar. Überall dort, wo es hygienische „Brennpunkte“ gibt und viele Menschen zusammenkommen. Dies können zum Beispiel Schulen und Kindergärten sein, Fitnessstudios, Hotels, Gaststätten und Kantinenbereiche, aber der Einsatzschwerpunkt liegt im Bereich der Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime und der Arztpraxen.

Wie wird keimEX verarbeitet? Sie ist ab Werk bereits fertig beschichtet, muss sie dennoch gestrichen werden?
„keimEX“ wird wie jede herkömmliche Vliestapete verarbeitet. Somit ist eine schnelle und saubere Verarbeitung der betreffenden Wandflächen gewährleistet. keimEX ist bereits ab Werk mit der Schutzschicht versehen, kann so ohne weiteren Anstrich auf den Wänden angebracht werden und erspart den zusätzlichen Zeitaufwand und die Kosten für Abkleben und Anstrich. keimEX hat vom ersten Moment an ohne weitere Bearbeitung die schützende Wirkung.

KeimEx Tapete Marburger Tapetenfabrik

Foto: Marburger Tapetenfabrik

Verliert keimEX nach einiger Zeit ihre Wirkung?
Wir garantieren eine Wirkungszeit von 7 Jahren.

Sind Stöße der Tapete ebenfalls beschichtet?
Nein, die Stöße der Tapete sind nicht zusätzlich beschichtet, da das Trägermaterial nicht mit dem schützenden Silberionen „durchtränkt“ ist, sondern diese sich auf der obersten Schicht befinden. Selbstverständlich wird bei dem Einsatz in sensiblen Hygienebereichen ein sehr sorgfältiges und genaues Arbeiten vorausgesetzt, was automatisch verhindert, dass Stöße weit auseinanderklaffen und so Angriffsflächen für Keime darstellen können. Bei Bedarf können die Stöße zusätzlich mit Desinfektionsmitteln behandelt werden, sollte das Gefühl vorherrschen, dass die Stöße einen Schwachpunkt darstellen, was wir aufgrund eigener praktischen Erfahrungen und der erstellten Gutachten nicht bestätigen können.

Sie haben eine Testphase mit keimEX innerhalb eines Pilotprojektes durchlaufen. Die Tapete wurde im Labor getestet sowie in einem typischen 2-Bett Zimmer einer chirurgischen Station. Wie wurde hier vorgegangen?
Für die Untersuchungen wurde ein typisches 2-Bettzimmer in einer chirurgischen Station mit der auch wischdesinfizierbaren Hygienetapete ausgestattet. Dieses permanent mit zwei Patienten belegte Zimmer wurde hinsichtlich der Keimbelastung auf den Wandflächen mit einem baugleichen Zimmer derselben Station verglichen. Die Wände dieses Vergleichszimmers waren mit Glasfasertapete, gestrichen mit Latexfarbe, ausgestattet.

Über einen festgelegten Zeitraum (105 Tage) wurden mehrfach täglich jeweils 10 Proben von vorher festgelegten Flächen entnommen. Diese Kontaktproben wurden dann unter Anwendung typischer mikrobiologischer Verfahren zur Keimdifferenzierung ausgewertet und die dabei nachgewiesenen Erreger identifiziert. Im Vergleich der beiden Patientenzimmer konnte bei dieser Auswertung eine 64% niedrigere Keimbelastung in dem mit der Hygienetapete ausgestatteten Zimmer festgestellt werden.  

Wie waren die Reaktionen der teilnehmenden Institutionen im Hinblick auf die Ergebnisse?
Die teilnehmenden Institutionen bzw. Hygienespezialisten waren von dem Ergebnis positiv überrascht. Zwar rechneten alle mit einem positiven Ergebnis, aber die so deutliche Keimreduktion um 64% gegenüber einem herkömmlich ausgestatteten Patientenzimmer beeindruckte auch die Fachleute, die aufgrund dieser Ergebnisse in der Hygienetapete einen deutlichen Gewinn an Sicherheit vor Transmissionen von Erregern sehen, mit der das Risiko einer bakteriellen Übertragung deutlich verringert werden kann.

In der Vergangenheit lag der Fokus beim Desinfizieren sensibler Bereiche immer auf den Fußböden. Sie galten und gelten immer noch als wahre „Keimschleudern“. Durch Ihre Tests sind erstmals Wände in den Mittelpunkt gerückt. Trägt  keimEX damit zum Umdenken bei?
Da sind wir sicher. Die Versuche beweisen, dass auch an den Wänden sich Keime in großer Zahl absetzen und dort auch vermehren, sodass die Wände auch eine ernsthafte Gesundheitsbedrohung darstellen, die es abzustellen gilt. Auf keiner Fläche eines Patientenzimmers, weder am Boden, noch an den Wänden oder der Zimmerdecke erzielt man eine hundertprozentige Keimreduktion. Aber eine um 64% niedrigere Keimbelastung an den Wänden reduziert das Infektionsrisiko doch deutlich. Die Hygienetapete stellt somit eine wirkungsvolle Ergänzung bereits vorhandener Schutzmaßnahmen dar.

Ihre Tapete hat bereits mehrere Gutachten namhafter Institutionen (textile competence center in Belgien, Hohenstein Laboratories GmbH & Co. KG, UKGM, Marburg/Gießen) erhalten. Ist sie damit bereit für den Markt?
Da die Gutachten alle den hohen Wirkungsgrad der Hygienetapete belegen und das Produkt bereits in Gebäuden des Gesundheitswesens erfolgreich verarbeitet werden konnte, hat die Hygienetapete damit auch über die Erprobungsphase beendet und ist bereit für den Markt.

Wann kommt sie in den Handel? Wird sie teurer sein als eine herkömmlicheTapete?
Man kann die Hygienetapete bereits jetzt exklusiv bei der keimEX GmbH beziehen. Preislich liegt die Tapete auf Wettbewerbsniveau (Glasfasertapete plus Farbanstrich). Es entfallen jedoch die bei einem Farbanstrich noch zu berücksichtigenden Arbeitsgänge, wie zum Beispiel das Abkleben, das Reinigen der Arbeitsbereiche nach Beendigung der Arbeiten. Außerdem besteht bei der Entfernung einer alten Hygienetapete kein Risiko, dass die Räume durch dabei abgelöste Kleinstpartikel stark verunreinigt werden und umfangreiche und zeitaufwendige Reinigungsarbeiten nach sich ziehen. Die Hygienetapete lässt sich leicht und rückstandslos entfernen und eine neue Hygienetapete ebenso schnell, sauber und leicht verarbeiten.     

Mit „keimEX“ ist es nun möglich, sowohl in hygienisch sensiblen Räumen, aber auch in Räumen, in denen bisher ein herkömmlicher Wandbelag als ausreichend empfunden wurde, einen ergänzenden und hochwirksamen Keimschutz zu garantieren, ohne dass höhere Kosten damit verbunden wären.

Die Nutzer dieser Räume erhalten einen höheren Schutz und die Gebäudebetreiber eine qualitative Aufwertung ihrer Einrichtung. Warum also nicht diese zusätzliche auf dem Gesundheitsmarkt verfügbare Schutzmöglichkeit ausschöpfen und weiter die bisher üblichen Wandbeläge verwenden, wenn mit „keimEX“ die gleichen Anforderungen erfüllt werden können und man mit einem zusätzlichen Keimschutz auch die Qualität der Räumlichkeiten steigern kann?

Herr Eitel, vielen Dank.

Mehr Infos zur Hygienetapete keimEX finden Sie unter: www.keimex.com