Auftragsboom: Worauf Malerbetriebe in guten Zeiten achten sollten

Auftragsboom im Handwerk Das Handwerk boomt… Das belegt nicht nur der aktuelle Konjunkturbericht des ZDH schwarz auf weiß. Sogar in den Medien macht diese außergewöhnliche Situation von sich reden, denn sie führt zu zeitlichen Engpässen in den Betrieben und damit zu langen Wartezeiten beim Verbraucher. Das ist natürlich eine Meldung wert. So titelte erst vor kurzem die Augsburger Allgemeine Zeitung „Das Handwerk boomt – und Kunden müssen lange warten“, die Passauer Neue Presse stößt ins gleiche Horn mit dem Titel „Wartezeit für Handwerk: In Passau kann’s ein bisserl länger dauern“ und auch Spiegel online widmet sich dem Thema unter der Überschrift „Im Bauboom werden die Handwerker knapp“

Das gilt aber nicht nur ganz allgemein fürs Handwerk. Maler- und Stuckateurbetriebe profitieren ebenso von dem Bauboom, der den Betrieben eine gute Auftragslage beschert. Laut  Konjunkturbericht des ZDH für das erste Quartal 2017 melden im Bauhauptgewerbe 51 Prozent der Betriebe gute Geschäfte und nur 8 Prozent schlechte. Diese positive Geschäftslage zeigt sich auch in  den Ausbaugewerken. Hier berichten sogar fast drei Fünftel der Betriebe von guten Geschäften und lediglich 7 Prozent von schlechten. Zur Entwicklung der Auftragsbestände heißt es im Konjunkturbericht: “Die Bauhaupt- und Ausbaubetriebe können ihre Auftragsbestände aufgrund der guten konjunkturellen Dynamik am Bau weiter ausbauen.“

Das freut natürlich jeden Betriebsinhaber, denn das Handwerk hat in der Vergangenheit leider schon ganz andere Zeiten erlebt. Doch wer sich jetzt zurücklehnt und nur „die Ernte einfährt“, handelt nicht unternehmerisch. Unternehmertum heißt vorausschauend Denken und Handeln und das gilt in guten Zeiten mehr denn je.

Marketing nicht vernachlässigen
Zeiten, in denen einem „die gebratenen Tauben in den Mund fliegen“, verleiten dazu,  nachlässig zu werden. Das ist fatal, denn auf gute Zeiten folgen immer weniger gute, sprich schlechte Zeiten. Regionale Bekanntheit sowie ein positives Betriebsimage sind dann unerlässlich für Neuaufträge. Auch wer derzeit nicht für Aufträge werben muss, sollte dennoch Imagebildung betreiben. Digitalen Medien wie die eigene Firmenwebsite und soziale Netzwerke sollten verstärkt genutzt werden, um das eigene Image zu polieren. Letztendlich darf es beim gesamten betrieblichen Außenauftritt an Aktualität und Pflege nicht fehlen. Wird in guten Zeiten an Bekanntheit gewonnen und ein positives Image aufgebaut, wird der Betrieb in schlechten Zeiten davon profitieren. 

Anspruchsdenken nicht aufgeben
Der gute Ruf eines Betriebs kann in guten Zeiten schnell verloren gehen. „Den Hals nicht vollkriegen“, so könnte das Syndrom, das einige Unternehmer in guten Zeiten entwickeln, beschrieben werden. Das soll heißen, der Betriebsinhaber will auf keinen Auftrag verzichten. Hat er dann zu viele Projekte an Land gezogen, aber nicht die Manpower, um das alles ordentlich stemmen zu können, so wird der Ruf seines Betriebs leiden. Solche Fehlplanungen führen fast immer zu Schlechtleistungen und damit zu unzufriedenen Kunden. Auch wenn der nächste Kunde schon vor der Tür steht und mit einem Auftrag „winkt“, darf der Betrieb nicht nachlässig in der Arbeitsausführung werden. Nur wer perfekte Arbeit abliefert, wird am Ende belohnt. Einen guten Ruf aufzubauen, dauert extrem lang, einen guten Ruf zu verlieren, geht ganz schnell. Und ist der Ruf erst ruiniert, wird der Betrieb dies in schlechten Zeiten besonders zu spüren bekommen.

Preisanpassungen überdenken
Wenn nicht in guten Zeiten, wann dann? So könnte die Fragestellung in Bezug auf Preisanpassungen lauten. Maler- und Stuckateurbetriebe scheuen nur allzu oft eine längst überfällige Preisanpassung, oft aus Angst, Aufträge zu verlieren. Doch steigende Materialpreise und steigende Mindest- und Tariflöhne machen Preisanpassungen unumgänglich, wenn die Kosten nicht den Gewinn auffressen sollen. Ohne Gewinne kann aber ein Unternehmen auf Dauer nicht existieren. Wer in guten Zeiten keine Gewinne einfährt, wird in schlechten Zeiten das Nachsehen haben. Mit einer steten, ordentlichen Preiskalkulation wird der Handwerksunternehmer immer richtig handeln.

Investitionen realisieren
Gewinn machen und Rücklagen bilden für schlechte Zeiten. Das ist an und für sich kein schlechter Ansatz. Aber in Zeiten steigender Inflation und einer Null-Zins-Politik für Sparvermögen schwindet die Kaufkraft von Rücklagen zunehmend wie in dem Malerblog-Artikel „Inflationsrate auf hohem Niveau. Was heißt das für Handwerksbetriebe?“ eindrücklich aufgezeigt wird. Jetzt ist die Zeit, um den Betrieb technisch auf den aktuellsten Stand zu bringen. Mit Wasserwaage statt Linienlaser, mit Zollstock statt Laserentfernungsmessgerät sowie mit Handaufmaß statt Digitalaufmaß machen sich heutzutage noch viele Betriebe auf der Baustelle das Leben schwer. Und das sind nur drei kleine Beispiele von vielen. Digitalisierung ist nicht nur ein Trendwort unserer Zeit. Der Handwerksbetrieb 4.0 wird zunehmend Realität. Unternehmer, die hier nicht mit der Zeit gehen und den Anschluss verpassen, werden langfristig nicht am Markt bestehen können. Wer Büro und Baustelle jetzt auf den neuesten Stand der Technik bringt, ist bestens gerüstet für die Zukunft – egal, was kommt. 

Mit offenen Karten spielen
Last but not least darf auch der Kunde nicht vergessen werden. Sind die Auftragsbücher voll und können Wunschtermine des Kunden nicht realisiert werden, so sollte der Betrieb keine Hinhaltetaktik fahren, sondern vielmehr mit „offenen Karten spielen“ und dem Kunden seine Terminmöglichkeiten präsentieren. Will der Kunde nicht warten, sollte der Betrieb besser auf den Auftrag verzichten. Lieber von Anfang an einen Auftrag weniger, als im Nachhinein einen unzufriedenen Kunden mehr.


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