Zwangsumstellung auf IP-Telefonie läuft. Das sollten Sie als Telekom-Kunde wissen.

Telekom-Kunden aufgepasst: Zwangsumstellung auf IP-Telefonie läuft. Das sollten Sie wissen.Analoges Festnetz, ISDN- oder DSL-Anschlüsse – alles Schnee von gestern. Bei der Telekom läuft derzeit eine der größten Umstellungsaktionen. Alle Telekom-Kunden sollen auf Internet-Telefonie, auch IP-Telefonie oder Voice over IP, kurz VoIP, genannt, in absehbarer Zeit umgestellt werden. Ein ehrgeiziges Ziel, das für Betriebsinhaber Fragen aufwirft, um nicht auf dem „falschen Fuß“ erwischt zu werden. Die telefonische Erreichbarkeit ist für einen Maler- und Stuckateurbetrieb wie für jedes andere Unternehmen lebenswichtig. Tagelange Ausfälle des Festnetzes kann sich kein Unternehmer leisten. 

Malerblog.net hat daher bei der Telekom direkt nachgehakt. Klaus Müller, Leiter Strategische Entwicklung und Transformation Geschäftskunden der Telekom Deutschland GmbH, hat sich den Fragen gestellt. 

Klaus Müller, Leiter Strategische Entwicklung und Transformation Geschäftskunden der Telekom Deutschland GmbH

Foto: Telekom Deutschland GmbH

Die Telekom plant eine Umstellung aller Festnetz-Anschlüsse auf IP. Wie viel Prozent der Anschlüsse wurden bereits umgestellt und bis wann soll die Umstellung abgeschlossen sein?
Aktuell nutzen bereits mehr als zehn Millionen Kunden – darunter eine Million Geschäftskunden – das neue IP-Netz. Das sind rund 50 Prozent unserer Festnetzanschlüsse. Jede Woche kommen mehr als 70.000 hinzu. Bis 2018 soll die IP-Umstellung komplett abgeschlossen sein. Wir kontaktieren heute schon Unternehmen mit Standorten in großen Ortsnetzen und bieten ihnen den Wechsel auf einen IP-basierten Anschluss an. Mit vielen größeren Unternehmen veranstalten wir Workshops, um den Ablauf der Migration zu besprechen. Kleinere Geschäftskunden werden auf Wunsch auch über den Kundenservice oder im Telekom-Shop beraten.

Die telefonische Erreichbarkeit ist für einen Handwerksbetrieb wie für jedes Unternehmen von existenzieller Bedeutung. Wie gehen Sie vor, um eine möglichst reibungslose Umstellung der Betriebe sicherzustellen?
Jeder Tag, an dem ein Kunde ohne Internet oder Telefon auskommen muss, ist ein Tag zu viel – insbesondere, wenn es sich um einen Unternehmensanschluss handelt. Für eine reibungslose Umstellung überprüfen wir deshalb, welche Netzanschlüsse ein Unternehmen hat und wofür es sie nutzt. Schließlich wird ein ISDN-Anschluss nicht nur als reiner Telefonanschluss genutzt, sondern oft auch für Anwendungen wie Dreierkonferenzen, für die Datenübertragung oder Sonderdienste wie Alarmanlage und Electronic-Cash-Terminals. Besonders bei letzteren muss das Unternehmen im Einzelfall mit dem Dienstanbieter klären, ob und gegebenenfalls wie sich solche Geräte am IP-Anschluss weiter nutzen lassen.

Für Selbstständige und kleine Unternehmen ist die Umstellung aber meist recht einfach zu bewerkstelligen. Neun von zehn Kunden schaffen den Umstieg sogar ohne die Hilfe eines Technikers. Am Tag der Umstellung sollten Unternehmen bestenfalls schon alle Geräte auf Tauglichkeit geprüft und eventuell neue Hardware angeschafft haben.

Welche technischen Voraussetzungen müssen die Betriebe für die Umstellung auf IP-Telefonie erfüllen?
Die Umstellung auf einen IP-basierten Anschluss setzt einen passenden Internet-Router voraus. Ist der vorhandene Router nicht geeignet, muss er ausgetauscht werden. Falls er aber am neuen IP- Anschluss funktioniert, wird das Gerät oft nur anders verkabelt und neu konfiguriert. Aber auch ein neuer Router lässt sich leicht installieren: Der zuständige Mitarbeiter entfernt Geräte wie Splitter und NTBA und steckt stattdessen das Kabel für den IP-Router in die TAE-Buchse des Breitbandanschlusses. An dem IP-Router schließt er dann Telefon, Fax und weitere Geräte an. Zum Schluss trägt der Techniker Rufnummern mit gültigen Registrierungs- und Anmeldedaten ein und deaktiviert die Festnetz-Telefonie im Router.

Zudem müssen Unternehmen Sicherheitsanwendungen wie Alarm- und Brandmelder oder auch EC-Terminals auf ihre IP-Fähigkeit überprüfen, sofern sie sie heute schon an den Anschlüssen der Telekom betreiben.

Was ändert sich mit der Umstellung auf VoIP für die Betriebe?
Nach der technischen Umstellung des Netzes profitieren Unternehmen häufig von höheren Bandbreiten für den Internetzugang. In der ISDN-Welt sind Netze für die Übertragung von Daten in verschiedene Kanäle aufgeteilt, einer davon ausschließlich für die Sprache. Das blockiert Bandbreite, auch wenn nicht telefoniert wird. Das IP-Netz nutzt für alle Datenformate einen gemeinsamen Kanal im Netz. Wird nicht telefoniert, steht die Bandbreite anderweitig zur Verfügung. Zudem verbessert die IP-Technologie die Akustik: Eine höhere Sprachqualität ist möglich, wenn beide Gesprächsteilnehmer über einen entsprechenden Telekom Anschluss verfügen und HD-Voice-fähige Telefongeräte nutzen.

Hinzu kommen zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten: Unternehmen können Einstellungen zu Leistungsmerkmalen eines Anschlusses wie Rufumleitungen oder Anrufer blockieren online im Kundencenter vornehmen – weltweit von jedem internetfähigen Computer oder per App auf Smartphone und Tablet.

Ein IP-basierter Anschluss bietet Unternehmen auch viele neue Möglichkeiten, die die Zusammenarbeit effektiver gestalten, interne Arbeitsabläufe beschleunigen und sogar den Kundenservice verbessern können. Wenn Unternehmen etwa einen neuen Router benötigen, sollten sie darüber nachdenken, ob sich nicht auch an anderer Stelle eine Neuerung lohnt.

Eine Telefonanlage aus der Cloud etwa bietet viele neue Funktionen und ist speziell auf kleinere Unternehmen ausgerichtet. So lassen sich Gespräche über IP direkt aus einer E-Mail, einem Dokument oder einer Webseite aufbauen. Dazu muss der Mitarbeiter lediglich die angegebene Telefonnummer anklicken, den Rest erledigt das System automatisch. Verpasste Anrufe werden im Posteingang angezeigt – für einen Rückruf genügt ein Mausklick.

Kommen auf die Kunden höhere Kosten zu?
Die Umstellung auf den IP-basierten Anschluss ist immer mit einem Vertragswechsel verbunden. Unternehmen müssen einen neuen Vertrag abschließen, der in der Regel mit einer neuen Laufzeit von 24 Monaten verbunden ist. Setzen Unternehmen auf einen vergleichbaren IP-Anschluss, ist dieser in der Regel nicht teurer als der bisherige Anschluss. Falls der Router durch ein neueres, IP-kompatibles Modell ersetzt werden muss, kommen gegebenenfalls noch die Kosten für das neue Gerät hinzu.

Herr Müller, vielen Dank für das Interview.