
Zu viele Formulare, zusätzliche Dokumentationspflichten oder langwierige Verwaltungsprozesse: Bürokratie gehört für viele Unternehmen zum Arbeitsalltag. Um konkrete Hemmnisse zu identifizieren, ruft die Bundesregierung dazu auf, entsprechende Erfahrungen zu melden. Sie will wissen, wo Privatpersonen, Unternehmen und sonstige Institutionen der bürokratische Schuh, der unnötig Zeit und Ressourcen bindet, drückt.
Meldungen aus dem Alltag erwünscht
Seit dem 12. Dezember 2025 steht dafür das Meldeportal „EinfachMachen“ zur Verfügung. Über die Plattform können Bürokratiehemmnisse und Verbesserungsvorschläge unkompliziert online eingereicht werden. Ziel ist es, Verwaltungsverfahren gezielt zu verbessern und Regelungen praxisnäher zu gestalten.
Erste Rückmeldungen zeigen großen Handlungsbedarf
Das Portal wird vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) betrieben. Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen sowie Beschäftigte der Verwaltung können dort schildern, an welchen Stellen Prozesse aus Nutzersicht vereinfacht werden sollten.
Das Interesse ist groß: Bereits in den ersten drei Monaten gingen mehr als 18.000 Meldungen ein. Rund 27 Prozent davon stammen von Unternehmen. Der Großteil der Hinweise bezieht sich auf Verbesserungsbedarf bei Behördenprozessen. Diese Zahlen liefert das für jeden einsehbare Dashboard, das wöchentlich aktualisiert wird.
KI soll Auswertung der Meldungen unterstützen
Die eingehenden Hinweise werden derzeit halbautomatisiert ausgewertet. Perspektivisch soll eine KI-gestützte Analyse die Meldungen nach Themen, Dringlichkeit und Relevanz klassifizieren. Das Portal ist zunächst als Beta-Version gestartet und wird schrittweise weiterentwickelt.
Künftig sollen zusätzliche Datenquellen eingebunden werden, etwa Datenbanken zu Formularen, Vorschriften oder zum sogenannten Erfüllungsaufwand. Dadurch lassen sich auch weitere Bürokratiebereiche einbeziehen, beispielsweise Statistikpflichten sowie umfangreiche Berichts-, Dokumentations- oder Verkehrssicherungspflichten. Langfristig ist vorgesehen, das Portal beim Statistischen Bundesamt anzusiedeln.
Chance für echten Bürokratieabbau
Der Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom, Bernhard Rohleder, sieht in der Meldeplattform einen wichtigen Ansatzpunkt: Das Portal könne zum Ausgangspunkt für einen schnellen und flächendeckenden Bürokratieabbau werden. Voraussetzung sei jedoch, dass sichtbar werde, welche Vorschläge eingehen und wie sie weiterbearbeitet werden. Perspektivisch plädiert Rohleder für ein transparentes, gesamtstaatliches Meldeportal.
Praxiswissen aus dem Handwerk gefragt
Viele Regeln und Vorschriften belasten Betriebe stärker, als sie Nutzen bringen. Um solche Fälle zu identifizieren, benötigt die Politik konkrete Beispiele aus dem Arbeitsalltag. Gerade Handwerksbetriebe verfügen über dieses Praxiswissen – und können damit einen wichtigen Beitrag zum Bürokratieabbau leisten. Diese Chance sollte kein Handwerksunternehmer ungenutzt lassen.
Link des Monats
Das Meldeportal „EinfachMachen“ steht allen offen, die konkrete Bürokratieprobleme oder Verbesserungsvorschläge melden möchten. Weitere Informationen und Zugang zum Portal https://einfach-machen.gov.de/

