Studie sorgte für Wirbel um Effizienz von Wärmedämmung

Wärmedämmung„Die große Lüge von der Wärmedämmung“ titelte am 29.03.2013 die „Welt Online“ und trat damit eine heftige Debatte los. Sogar von „Verschleuderung von Steuergeldern“ ist in dem Artikel die Rede.  
 

Was war passiert? Auslöser ist eine Studie, die das Forschungsinstitut Prognos für die Förderbank KFW erstellte. Hierbei handelt es sich in erster Linie um eine volkswirtschaftliche Analyse der KFW-Programme zum Energieeffizienten Bauen und Sanieren. Um die Energiewende bis zum Jahr 2050 realisieren zu können, geht eine der Studie zugrundeliegende Modellrechnung von wohnungswirtschaftlichen Gesamtinvestitionen von insgesamt 838 Mrd. EUR aus. Subtrahiert man von diesen Kosten die in der Studie ausgewiesenen möglichen Energiekosteneinsparungen in Höhe von  372 Mrd. EUR, so ergibt sich das von Welt.de errechnete vermeintliche Verlustgeschäft für die Hauseigentümer. 

Ganz so einfach ist es aber nicht. Die Studie ist keine Kosten-Nutzen-Analyse der Energiewende, sondern betrachtet den volkswirtschaftlichen Nutzen der KFW-Programme und weist daher nur das errechnete Investitionsvolumen als solches aus. Die Gesamtinvestitionen von 838 Mrd. EUR erfassen aber sowohl den Bereich der Gebäudesanierung als auch den der Neubauten und die sog. Ohnehin-Kosten, d.h. allgemeine Renovierungskosten, die ohnehin im Laufe des Betrachtungszeitraums angefallen wären. Für eine Kosten-Nutzen-Analyse bedürfte es jedoch dieser Detailbetrachtung, also einer Differenzierung der Gesamtinvestition in einzelne Kostengruppen. Diese veröffentlichte die KFW am 03.04.2013 als Reaktion auf den Welt-Artikel. 
 
Für den Bereich der Gebäudesanierung ergibt sich demzufolge folgende Modellrechnung: Von den Gesamtinvestitionen in Höhe von 838 Mrd. EUR fallen  507 Mrd. EUR auf die Gebäudesanierung. Davon wiederum sind allein 207 Mrd. EUR sog. Ohnehin-Kosten. Diese bleiben bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung natürlich außen vor, da sie ja ohnehin angefallen wären. Folgerichtig stellt die KFW lediglich die energieeffizienzbedingten Mehrausgaben von 237 Mrd. EUR den Heizkostenersparnissen in Höhe von 361 Mrd. EUR gegenüber und siehe da, somit ergibt sich ein Plus von 124 Mrd. EUR, d.h. energieeffiziente Sanierung lohnt sich doch. 
 
Die Studie ist im übrigen auch kein Geheimnis, sondern kann auf den Internetseiten der KFW abgerufen werden. Sie kommt im Rahmen ihrer volkswirtschaftlichen Analyse übrigens zu dem Ergebnis, daß eine Fortführung der KFW-Programme zum Energieeffizienten Bauen und Sanieren der deutschen Wirtschaft auch langfristig spürbare Wachstumsimpulse gebe. Die deutliche Ausweitung der Programme, um die Ziele der von der Bundesregierung beschlossenen Energiewende erreichen zu können, würde die Wachstumseffekte sogar signifikant erhöhen. 
 
Auch das deutsche Handwerk wie Maler- und Stuckateuerbetriebe dürfte es freuen, daß laut Studie die Investitionen das jährliche Wirtschaftswachstum mit 0,4 Pozentpunkten unterstützen und im Jahr 200.000 bis 300.000 Arbeitsplätze sichern, und zwar vor allem im regionalen Handwerk. 
 
Leider scheinen sich die Online-Medien für diese volkswirtschaftlich positiven Ergebnisse der Studie nicht zu interessieren. Ebenso bedauerlich ist es, daß die Energiewende immer „aufgerechnet“ wird. Ist nur eine sich wirtschaftlich rechnende Energiewende auch eine gute Wende? Sind wirklich alle Hauseigentümer nur unter der Prämisse des Geldsparens bereit, in Wärmedämmung, Solaranlagen, moderne Heizungen usw. zu investieren. Es geht um Klimaschutz. Klimaschutz geht uns alle an, denn Klimaschutz heißt Zukunft. Die nachfolgenden Generationen werden mit den Versäumnissen der heutigen Generation leben müssen. Aber offensichtlich ist es noch ein langer Weg bis energieeffizientes Sanieren in Deutschland zur Selbstverständlichkeit wird. 
 
 
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