
Malerhandwerk – immer noch eine Männerdomäne? Ein Blick auf die Zahlen des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (2023/2024) zeigt ein differenzierteres Bild: Mit über 30 Prozent ist der Anteil weiblicher Nachwuchskräfte in der Malerausbildung gar nicht so schlecht. Bei den Meisterprüfungen liegt der Frauenanteil dagegen erst bei rund 10 Prozent – wenn auch mit steigender Tendenz. Klar ist: Da geht noch mehr.
Auf dem Weg nach oben: Frauen im Malerhandwerk
Genau hier setzte die Ausstellung der Handwerkskammer (HWK) Kassel mit dem Titel: „Meisterinnen – Frauen. Können. Handwerk.“ an. Das Ziel: Sichtbarkeit für das Handwerk erzeugen. Sichtbarkeit für Frauen und Mädchen erlangen. Eine Handwerkskarriere attraktiv machen – für das weibliche Geschlecht. Zeigen, dass Frauen viel mehr leisten können, als ihnen oft zugetraut wird.
Die Ausstellung, die vom 12. Februar bis 13. März 2026 in der Handwerksform der HWK Kassel zu sehen war, zeigte die Lebens- und Karrierewege von elf Handwerkerinnen – von der Ausbildung über die Qualifikation zur Meisterin bis hin zur Unternehmensführerin. Unterschiedliche Gewerke waren vertreten. Neben Malerinnen stellten auch Tischlerinnen, Friseurinnen, Zahntechnikerinnen, Zimmerinnen, Land- und Baumaschinenmechatronikerinnen, Installateur- und Heizungsbauerinnen für das jeweilige Gewerk aus. Sie alle gaben anhand von Bildern, Texten und eigenen Ausstellungsstücken einen Einblick in „ihr“ Handwerk, teilten ihre Erfahrungen und erzählten, warum sie Meisterinnen geworden sind.

Da die Handwerkskammer in der Kasseler Innenstadt liegt, war die Ausstellung sehr gut erreichbar und wurde gut angenommen. Mehrere Schulklassen besuchten die Ausstellung sowie Besucher, überwiegend Frauen, aller Altersgruppen. Laut Katja Rudolph, Stabsstelle Pressearbeit der Handwerkskammer Kassel, waren alle elf Handwerkerinnen mit Leidenschaft bei der Sache. Das zeigten die Portraits sehr deutlich.
Stärker als Vorurteile: Frauen setzen sich durch
Das Malerhandwerk wurde von den beiden Maler- und Lackierermeisterinnen Lea Hecker aus Rauschenberg und Johanna Becker aus Fuldatal vertreten. Lea Hecker entschied sich für das Handwerk nach ihrem Fachabi, sie wusste sehr genau, dass sie auf keinen Fall ein Studium anstreben wollte.
Die Vielseitigkeit und Kreativität faszinierte sie. Dennoch war es gerade in der Anfangszeit für sie nicht immer leicht. „Zu Beginn der Ausbildung war es hart sich daran zu gewöhnen, den ganzen Tag körperlich zu arbeiten und ich hatte oft Muskelkater. Außerdem gab es auch Kollegen, bei denen man gemerkt hat, dass sie dachten, das kleine Mädchen schafft das doch eh nicht“, berichtet Lea Hecker. Doch sie hat sich nicht von ihrem Ziel abbringen lassen, ihre Ausbildung sogar vorgezogen und ein halbes Jahr früher abgeschlossen.
Das spricht für sich und zeigt sehr deutlich, dass Frauen nach wie vor unterschätzt werden. Ähnliche Erfahrungen machte auch Johanna Becker: „Als ich mich mit 17 Jahren während des Fachabis auf die Suche nach einer Lehrstelle begeben habe, merkte ich, wie schwierig das für Mädchen war. Ich hatte mich zunächst bei Raumausstattern und Tischlern beworben. Meistens ohne jegliche Rückmeldung. Nicht ernst genommen, so schien es.“ Sie beendete ihre Ausbildung als Innungsbeste und schloss mit 22 Jahren als Meisterin ab.
Kreativ, technisch, vielseitig: Darum lieben sie ihren Job
Beide Frauen fühlen sich in ihrem Job wohl und schätzen die abwechslungsreichen Tätigkeiten, die kreativ und vielfältig sind: „Kein Projekt gleicht dem anderen, für jeden Kunden gibt es eine individuelle Lösung, die man mit ihm gemeinsam erarbeiten kann. Die Zufriedenheit des Kunden und seine Wertschätzung für unsere Arbeit ist das Größte für mich“, sagt Lea Hecker.
Auch Johanna Becker findet: „Wände und Räume zu gestalten, ist genau mein Ding, auch immer wieder neue Materialien und Gestaltungstechniken auszuprobieren. Vor allem das Vorher-Nachher eines Raumes oder einer Fassade zu sehen, bereitet immer wieder Freude und macht Lust auf das nächste Projekt. Das Malerhandwerk umfasst mittlerweile so ein großes Leistungsspektrum. Es wird einfach nie langweilig.“
Mut zur Ausbildung: Warum sich der Schritt lohnt
Die jungen Frauen sind klar „pro Handwerk“ und wollen andere junge Frauen ermutigen einen handwerklichen Beruf zu erlernen. Lea Hecker richtet folgende motivierende Worte an interessierte Frauen:
Mein Tipp an alle Frauen, die darüber nachdenken ins Handwerk zu gehen: Tut es! Es gibt nichts, das wir weniger gut können als Männer und genau das müssen wir zeigen!
Eine Haltung, von der nicht nur die Frauen selbst profitieren – sondern das gesamte Handwerk.

