Zum Karneval: Des Malers Büttenrede

Zum Karneval: Des Malers Büttenrede

Die Luft ist schlecht in deutschen Städten,
Dieselfahrzeuge liegen hier bald an Ketten.
Die Blaue Plakette liegt in Berlin noch auf Eis,
in Stuttgart wird sie Realität, wie jetzt jeder weiß.

Die Stadt des Automobils verbannt alle Stinker,
Stickoxide adé, der Feinstaub wird milder,
tief durchatmen heißt hier die neue Devise,
nur der Maler mit Fahrrad kriegt keine Krise.

Das liebe Geld wird immer weniger Wert,
Guthabenzinsen werden dem Sparer verwehrt, 
Der Negativzins macht seit kurzem die Runde, 
und hinterlässt mit der Inflation eine tiefe Wunde.

Zu viel Geld wird nicht mehr gern gesehen,
mit zu wenig kann aber auch niemand bestehen,
denn hat der Maler zu wenig Geld, geht er Bankrott,
ach, was ist das heutzutage nur für ein Schrott.

Hat der Maler die falsche Farbe gestrichen,
kommt der Kunde mit dem Gesetzbuch angeschlichen.
Der Maler streicht statt Rot nun die Wand in Gelb,
der Kunde ist zufrieden, es kostet den Maler sein Geld.
Das ist nur fair, denn so ist das Leben,
wer Fehler macht, muss sie auch beheben.

Doch was passiert, wenn die Tapete nicht richtig klebt,
drei Wochen später von der Wand sich in Bahnen hebt, 
der Kunde ruft an und flötet lautstark ins Rohr:
„Du bist zu blöd zum Tapezieren, Du dummer Tor.“

Aber es war nicht der Maler, es war nicht seine Schuld,
ein Materialfehler, nicht sichtbar, war der wahre Grund.
Doch der Maler haftet – das steht außer Frage,
dies versetzt ihn, gut hörbar, sichtlich in Rage.
Die nächste Woche wird er mit Tapezieren verbringen
und mit dem Hersteller um die Kosten ringen.

Das soll sich jetzt ändern. Ein Gesetz wird gestrickt.
Der Lieferant haftet für Ein- und Ausbau, das ist ganz geschickt,
doch kann er sich wahrscheinlich, es ist noch nicht sicher,
in AGBs seiner Pflichten entheben – man hört schon das Gekicher.

Zum Schluss noch ein Thema, es ist fast zum Lachen,
wär’s nicht so traurig, ließen sich Faxen machen.

Online ist gut, schallt es von überall her,
ohne Website sieht dich kein Kunde mehr.
Der Maler hört zu und setzt dies brav um,
doch Ärger droht, wenn er sich stellt dumm.
Denn seine Pflichten muss er schon kennen,
ohne sie darf er nicht gehen ins Online-Rennen.

Infos zur Verbraucherschlichtung sind jetzt oberstes Gebot,
auch wenn der Maler ausschlägt das Schlichtungsangebot.
Das ist egal, Pflicht ist eben Pflicht,
und koste es, was es wolle,
den Gesetzgeber jedenfalls schert‘s erstmal nicht.
Bürokratieabbau wird sicher anders geschrieben,
manchmal wird’s mit Pflichten halt auch übertrieben.

Der Maler verschönert Fassaden und Wände,
Millionen von Bürgern legen ihr Heim in seine Hände.
Seine Arbeit macht Menschen glücklich und froh,
sein Werk überdauert Jahre und Jahrzehnte, ganz einfach so.
Dann sind die heutigen Sorgen schon längst vergessen,
und es wird wieder mit anderen Maßstäben gemessen.

Malerblog.net wünscht allen Karnevalisten, Jecken,
Närrinnen und Narren eine schöne Karnevalszeit.