Gefragter Fachmann: Malermeister Robert Paulus arbeitete im Iran

Foto: Robert Paulus

Fotos: Robert Paulus

„Mein Objekt“ ist für Malermeister Robert Paulus aus Fürstenfeldbruck etwas wirklich Außergewöhnliches. Seine Fachkenntnisse waren im Iran gefragt und so flog er mit zwei Mitarbeitern in den Orient, um dort an einem interessanten Projekt mitzuarbeiten. Lauscht man den Erzählungen Paulus‘, fühlt man sich an „1000 und eine Nacht“ erinnert. 

Herr Paulus, um was für ein Objekt handelt es sich?
Wir waren am Rande der iranischen Wüste, in der Stadt Kashan an einer historischen Gebäudesanierung beteiligt. Teile der Grundmauern waren noch vorhanden. Der Rest wurde komplett neu aufgebaut. Nach Fertigstellung soll das Gebäude als „Architekten Design Zentrum“ dienen.

Was hat Sie an dem Objekt besonders gereizt?
Da gibt es viele Gründe: Zunächst einmal ist das Objekt ein absolutes Vorzeigeprojekt, etwas wirklich Besonderes, auch im Iran. Zudem hat mich die technische Herausforderung gereizt. Das gilt sowohl in Bezug auf das Material, die Verarbeitung, das Klima und auch uns selbst betreffend. Es war eine völlig neue Erfahrung. Und es war einfach wahnsinnig interessant für mich und meine Mitarbeiter in den Orient zu reisen, eine andere Kultur und andere Arbeitsweisen kennen zu lernen und Neues zu erleben.

Welche Arbeiten haben Sie ausgeführt?
Wir haben in 37 Räumen die Böden mit einem Kalkmarmorputz gespachtelt. 80 Prozent der Böden waren weiß, der Rest in Grauabstufungen. Die Wände am Projekt waren mit Kalk geglättet, geschlämmt und geschliffen. Im traditionellen Stil mit wunderschönen Stuckarbeiten, geometrischen Mustern, Nischen und Gesimsen. Dazu sollten natürlich auch die Böden passen. Was sich einfach anhört, war allerdings alles andere als das. Die Böden waren zwar wie besprochen geschliffen, also einigermaßen glatt. Aber glatt und eben, bzw. das was wir darunter verstehen, ist eben doch etwas anderes, als das, was Iraner darunter verstehen.

Die Dellen in den Flächen waren teilweise so ausgeprägt, dass wir mit unseren Malerrollen für die Grundierung oftmals nicht in die Vertiefungen gelangen konnten. Außerdem stellten wir fest, dass etwa 80 Prozent der Böden teilweise starke Risse aufwiesen, die erst einmal beseitigt werden mussten. Deutsche Anforderungen an Untergrundbeschaffenheit gelten hier nicht. Im Orient ist eben alles anders. Hier gab es in der Vergangenheit faktisch keine weißen, diffusionsoffenen und gleichzeitig stabilen und fugenlosen Böden. In der Historie des Kulturkreises sind diese aber verankert und eben auch erstrebenswert. Deshalb kam die Bauherrenschaft zu uns. Wir sollten die Möglichkeiten ausloten und umsetzen. Das war eine wirkliche Herausforderung. Und wegen dieser zusätzlichen, nicht eingeplanten Arbeiten, rannten wir gegen die Zeit. Das bedeutete wir mussten von morgens 6.00 Uhr bis abends 21.00 Uhr „ranklotzen“, um alle Arbeiten bis zu unserem Abflug zu schaffen. Und genau das haben wir.

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit Ihrem Aufenthalt und den Ausführungen der Arbeiten?
Fasziniert haben mich Wände, die mit unterschiedlichen Ornamenten und Stuck verziert waren. Trotz eingeschränkter technischer Möglichkeiten sind die iranischen Kollegen in der Lage, solche Meisterwerke zu erschaffen. Auch ein Besuch im örtlichen Farbengeschäft werde ich wohl nicht vergessen, man hatte fast den Eindruck sich in einer anderen Zeit zu befinden. Und doch habe ich das bekommen, was ich suchte.

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Natürlich gibt es auch fachliche Unterschiede. So versteht der iranische Kollege unter einer „scharfen Kante“ etwas anderes als wir in Deutschland. War kein Übersetzer zugegen, haben wir uns mit „Händen und Füßen“ verständigt. Das hat prima geklappt, allerdings auch gleich zu Beginn zu einem unbeabsichtigten Missverständnis geführt. Wenn ich meine Zustimmung oder ein Lob „super gemacht“ signalisieren wollte, habe ich als Geste freudig den Daumen gehoben. Ich wunderte mich, warum ich dabei von meinen Handwerkskollegen so komisch, leicht verwirrt angeschaut wurde. Es stellte sich dann heraus, dass „Daumen hoch“ im Iran gleichbedeutend ist mit dem „erhobenen Mittelfinger“ bei uns. Als ich das wusste, habe ich zur Freude aller immer in die Hände geklatscht, um meine Zustimmung oder Bewunderung kund zu tun. Die Gastfreundschaft war ebenfalls sehr herzlich. So hat man für uns einen Trip in die Wüste organisiert und dort ein Barbecue veranstaltet. Ein wirklich tolles Erlebnis. Die Menschen waren sehr herzlich und freundlich.

Nur die Temperaturumstände waren alles andere als beeindruckend. Bei über 40 Grad arbeiten zu müssen, war wirklich extrem anstrengend. Da es nachts mit 32 Grad auch nicht wirklich abkühlte, war der Aufenthalt für uns auch eine echte, körperliche Herausforderung. Trotzdem war dies sicherlich nicht mein letzter Besuch in diesem Land.

Einen ausführlichen Reisebericht lesen Sie auf http://edle-raeume.de/i-ran-to-iran/