Die digitale Arbeitswelt: Zwang oder Freiheit?

Die digitale Arbeitswelt: Zwang oder Freiheit?

Mal ehrlich: Wie alt sind Sie, liebe Leserin, lieber Leser? Warum? Ganz einfach: Niemand aus der jungen Generation käme auf die Idee die Frage nach „Zwang oder Freiheit“ zu stellen, wenn es um das Thema „Digitalisierung“ geht. Leserinnen und Leser der Generation „Digital Natives“ hätten diesen Artikel vermutlich erst gar nicht angeklickt.

„Digital Natives“ sind jene jungen Menschen, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind. Sie sind in der Regel nach 1990 geboren. Die Nutzung digitaler Technologien ist für sie eine Selbstverständlichkeit, die zum Leben gehört. Althergebrachte, analoge Arbeitsweisen sind ihnen ebenso fremd wie so manchem älteren Menschen – dem sogenannten „Digital Immigrant“ – die digitale Arbeitswelt.

Für Unternehmer, die natürlich mit der Zeit gehen müssen, besteht die Herausforderung darin, zwischen beiden Gruppen eine Brücke zu schlagen, so dass Digital Natives als auch Digital Immigrants unter einem Dach gewinnbringend miteinander arbeiten. Diese Challenge zu gewinnen, ist nicht immer leicht. Und genau deswegen, sollte sich der Malerunternehmer, und zwar egal zu welcher Gruppe er selbst zählt, mit dieser Frage eingehend auseinandersetzen, denn sie liefert ihm wichtige Antworten, um seinen Betrieb erfolgreich ins digitale Zeitalter zu führen.


Zwischen Digital Immigrants und Digital Natives liegt oft ein Altersunterschied von bis zu 30 Jahren und mehr.

 

Im Jahr 2020 besaßen in Deutschland laut statista.de 86 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahre ein Smartphone. Betrachtet man nur die Altersgruppe der unter 50-jährigen, besitzt fast jeder Deutsche ein Smartphone. Diese Zahlen sprechen eine klare Sprache. Niemand wurde dazu gezwungen, sich ein Smartphone zu kaufen. Es war der freie Wille, die freie Entscheidung eines jeden einzelnen Smartphone-Besitzers, sich ein solches Mobilgerät zuzulegen. Aber ist das wirklich so? Haben all diese Menschen, haben wir alle freiwillig in digitale Technik investiert?

Oft war in den zurückliegenden Monaten zu hören und zu lesen, dass die Coronapandemie zu einem regelrechten Digitalisierungsschub geführt habe. Das betrifft natürlich nicht nur Schulen und Unternehmen, sondern auch den Privatbereich. Die uns auferlegten Kontaktbeschränkungen bescherten Video-Streamingdiensten wie Zoom, Skype oder Microsoft Teams große Zulaufzahlen. Chatdienste wurden in dieser Zeit vermehrt genutzt und digitale Lösungen wie die Corona-Warn-App, die Luca-App oder die CovPass-App fanden auf nahezu jedem Smartphone ihren Platz. Die Nutzung all dieser digitalen Angebote erfolgte absolut freiwillig. Niemand wurde zur Nutzung gezwungen. Oder doch?

Die Menschen befanden sich in einer misslichen Lage: Kontaktbeschränkungen, Lockdown, Homeoffice und vieles mehr schränkte das soziale Leben, das Miteinander, sehr stark ein. Und so waren diese äußeren Umstände mit ausschlaggebend dafür, dass die Menschen nicht nur miteinander telefonieren, sondern sich auch mal wieder live sehen wollten. Und mit den ersten Lockerungen wünschten sich die Menschen ein normales Leben wieder zurück. Wer daher nicht regelmäßig im Restaurant Kontaktzettel mit der Hand ausfüllen wollte, nutzte die Luca-App. Die Corona-Warn-App nutzten all jene, die sich etwas mehr Sicherheit versprachen. Die CovPass-App wiederum erspart uns das permanente Herumtragen unseres Impfausweises. Es waren also offensichtlich die äußeren Umstände, die in nicht unerheblichem Maße dazu beigetragen haben, dass sich viele Menschen in der Coronazeit digital besser aufgestellt haben. Manch einer würde hier vielleicht sogar von äußeren „Zwängen“ sprechen und läge mit dieser Einschätzung sicher nicht falsch. Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Es darf nicht vergessen werden, dass durch diese digitalen Medien die Menschen positiven Nutzen gezogen haben. Kein lästiges Ausfüllen von Zetteln, den anderen Menschen live sehen anstatt nur live hören, ein Mehr an Sicherheit oder der schnelle Impf-Check ohne lange Prüf- und Wartezeiten. Kurz gesagt: All diese Apps dienen dem Menschen, der sie nutzt.


Digitalisierung muss dem Menschen dienen.


Ebenso verhält es sich in der Arbeitswelt. Die fortschreitende Digitalisierung und die damit einhergehende Digitalisierung der Konkurrenzbetriebe „zwingt“ zwar einerseits den einzelnen Unternehmer zur Investition, um weiterhin wettbewerbs- und marktfähig zu bleiben. Sich der digitalen Zukunft zu verweigern, ist daher keine Option. Aber der Unternehmer erhält dadurch auch ungeahnte Chancen und Möglichkeiten, seinen Betrieb betriebswirtschaftlich besser aufzustellen und dadurch jede Menge Zeit und Kosten zu sparen. Das wiederum sichert Arbeitsplätze, woran natürlich auch die Mitarbeiter ein starkes Interesse haben. Kurz gesagt: Digitalisierung rentiert sich, wenn sie dem Menschen dient. Unter dieser Prämisse wird auch die generationsübergreifende Zusammenarbeit zwischen Digital Natives und Digital Immigrants und damit die erfolgreiche Umsetzung der digitalen Transformation im Unternehmen gelingen.

Unternehmer, die von diesem Grundsatz geleitet, in ihre betriebliche Digitalisierung investieren, machen mit Sicherheit alles richtig. Und sie haben ihre unternehmerische Freiheit dazu genutzt, über die Art und Weise ihrer betrieblichen Digitalisierung zu entscheiden, ganz ohne Zwang. Man muss es nur wollen.