Deutsche Farbenindustrie: Sinkende Absatzzahlen lassen aufhorchen

Deutsche Farbenindustrie: Sinkende Absatzzahlen lassen aufhorchen

Die Bilanz der deutschen Farbenindustrie für das zurückliegende Geschäftsjahr ist ernüchternd. Peter Jansen, der neue Präsident des Verbands der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie (VdL), präsentierte auf der Wirtschaftspressekonferenz Mitte Februar durchwachsene Zahlen für die rund 200 Mitgliedsunternehmen.

Enttäuschendes Geschäftsjahr für Farben und Lacke
Ob Industrielacke, Holz- und Möbellacke, Bautenfarben oder Druckfarben – alle mussten im Jahr 2018 ein Absatzminus verkraften. Bei den Bautenfarben sank die Nachfrage insgesamt um rund 1,5 Prozent auf 847.000 Tonnen, besonders die Menge verkaufter Lacke und Lasuren ging um 3,8 Prozent zurück. Druckfarben mussten gar ein Gesamt-Minus im Verbrauch von 5,2 Prozent hinnehmen. Während Holz- und Möbellacke ein geringes Minus verzeichneten, gab es bei den Industrielacken wiederum einen teilweise starken Rückgang. Auffällig ist hier vor allem die negative Entwicklung bei den Autoserienlacken, die in der Menge stark ins Gewicht fallen. So schlug die rückläufige Autoproduktion unmittelbar mit einem Mengen-Minus von 8,7 Prozent auf die Lackproduzenten durch. Ein leichtes Plus konnten hingegen Autoreparaturlacke verzeichnen.

2019 verspricht kaum Aussicht auf Verbesserung
Dieser Abwärtstrend dürfte auch im laufenden Jahr anhalten. Wie der Farbenverband feststellt, sieht sich die Branche angesichts der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor großen Herausforderungen. „Anspannung hat hier Besorgnis Platz gemacht. Wir können allenfalls auf eine Seitwärtsbewegung hoffen“, prognostiziert Jansen. Die Prognosen wirken düster. Laut Verband zeichnet sich für den industriellen Sektor keine Erholung des Automobilbereichs ab und auch der Druckfarbenmarkt wird voraussichtlich zumindest bei Publikationen wegen der fortschreitenden Digitalisierung bedingt weiter schrumpfen. Für den Absatz im Bautenfarben-Markt sieht es nicht besser aus. So rechnen die Hersteller von Bautenanstrichmitteln mit einem Minus von über 2 Prozent. Insgesamt hat der Markt seit 2010 gut 10 Prozent an Menge verloren. Dieser Trend wird sich nach Einschätzung des VdL im Jahr 2019 fortsetzen und erst in den folgenden Jahren abflachen. Gründe werden vor allem in einem veränderten Freizeitverhalten, der aktuellen Vollbeschäftigung und in verlängerten Renovierungszyklen gesehen. Zudem führten höhere Produktqualitäten zusätzlich zu einem niedrigeren Verbrauch.   

Die negative Prognose für 2019 wird nach Verbandsangaben durch teure Tarifabschlüsse und hohe Rohstoffpreise zusätzlich verstärkt, wobei die Entwicklung beim Weißpigment Titandioxid noch gar nicht absehbar sei. Aber auch die steigenden bürokratischen Anforderungen sieht der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie, der überwiegend mittelständisch geprägte Branchenfirmen vertritt, als starken Hemmschuh.