Nagelneu und doch verrostet – das Keltenmuseum am Glauberg

Die Kelten, der Glauberg, die Wetterau: Das Keltenmuseum vom Glauberg Ein geheimnisvolles Objekt liegt eingebettet in eine sanfte Hügellandschaft. Der ungewöhnliche Baukörper erinnert an ein eckiges „Fernrohr“ und tatsächlich erfüllt er auch einen ähnlichen Zweck. Während der hintere Teil halb im Hang verborgen ist, richtet der vordere Teil mit einer großen Glasfront seinen Blick auf einen rekonstruierten keltischen Grabhügel. Dieser steht im Mittelpunkt des Geschehens, denn an dieser Stelle kam erst vor wenigen Jahren eine Sensation zum Vorschein.

Der Keltenfürst vom Glauberg
Fast 2500 Jahre von Erde bedeckt, entdeckten Forscher Mitte der 90er Jahre drei keltische „Fürstengräber“ mit außergewöhnlichen Grabbeigaben. Fachleute reden von einem Jahrhundertfund. Daran besteht kein Zweifel. Vor allem ein Fundstück machte weltweit von sich reden. So wurde am Glauberg eine fast vollständig erhaltene, lebensgroße Sandsteinfigur eines Keltenfürsten ausgegraben. Der „Keltenfürst vom Glauberg“ hat Weltruhm erlangt. Die Statue wiegt etwa 230 kg und ist 1,86m groß. Als Kopie ging der „hessische“ Keltenfürst bereits nach Großbritannien auf Reisen. Das Original kann im Keltenmuseum weiterhin besichtigt werden.

Der Keltenfürst vom Glauberg
Moderne Architektur beherbergt jahrtausendalte Schätze
Das Museum bildet den modernen Rahmen für die neu entdeckte Keltenwelt. Die Außenfassade wurde mit großformatigen Cortenstahlplatten verkleidet, denen sie ihre Rostschicht verdankt. Die charakteristische Patina soll Assoziationen mit Erdverbundenheit wecken. Das Material ist zudem eine Reminiszenz an den fortschrittlichen und handwerklich kunstvollen Umgang der Kelten mit Metallen. Der rostrote Quader ist bereits mehrfach preisgekrönt. Für den außergewöhnlichen Museumsbau erhielt das Büro kattawittfeldarchitektur GmbH aus Aachen den Architekturpreis „Auszeichnung vorbildlicher Bauten im Land Hessen 2011“ und  einen Preis des Deutschen Stahlbaus 2012.

Großformatigen Cortenstahlplatten lassen das Keltenmuseum am Glauberg erdverbunden erscheinen - die rostige Patina ist dafür verantwortlich.
Die Ausstellungsarchitektur im Inneren ist ebenfalls bis ins Detail durchdacht und basiert auf dem übergeordneten Prinzip der Schichtung ausgehend von Abläufen einer archäologischen Grabung. Die Exponate werden auf diese Weise perfekt in Szene gesetzt. Die Geschichte der Kelten wird  anschaulich präsentiert und mit Unterstützung neuester Medien für Alt und Jung spannend aufbereitet.

Die Welt der Kelten entdecken
Die Kelten hinterließen ihrer Nachwelt keine schriftlichen Zeugnisse. Daher ist wenig über sie bekannt. Über Kultur, Religion und das tägliche Leben der Kelten wird seit Jahrhunderten viel spekuliert. Während die Römer ihre Nachbarn, die Kelten, als blutrünstige Barbaren beschreiben, zeigen die sensationellen archäologischen Fundstücke vom Glauberg, dass sie ausgezeichnete Handwerker waren. Reich verzierte bronzene Schnabelkannen, Goldschmuck, Gürtelschnallen und vieles mehr zeugen von hoher künstlerischer und handwerklicher Qualität. Doch nicht nur das. Die Kelten waren auch Geschäftsleute und unterhielten bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. Handelsbeziehungen in den Mittelmeerraum. Wie ein Puzzle fügen sich bei derartigen Funden immer mehr Teile zusammen und geben einen Einblick in das Leben der Kelten. Doch es gibt noch viel zu entdecken. Die Spurensuche wird weiter gehen.

Mehr Informationen rund um die Keltenwelt am Glauberg erhalten Sie hier: www.keltenwelt-glauberg.de

Fotos: Malerblog.net